Wochenendausflug

Wir waren letztes Wochenende auf der Schwäbischen Alb, um unsere Tochter zu einem Treffen zu fahren. Es war sehr schön dort, aber die Fahrt dorthin mit dem Auto hat mich völlig erschöpft, wir standen so gut wie nur im Stau, und auch sonst hatte ich den Eindruck, dass ich einfach nur ganz viel Erholung und Schlaf brauche, dabei war ich von dem Städtchen sehr angetan. 

Das Foto ist oberhalb eines Wasserfalls aufgenommen. Wir sind früh morgens dort gewesen, nicht weil wir solche Frühaufsteher sind, sondern weil wir vorher verabredet waren. Es war nicht viel los auf dem Hinweg, aber zurück kamen uns sehr viele Menschen auf dem Weg zum Wasserfall entgegen. Eine junge Frau posierte unter dem Wasserfall und verhinderte, dass andere Menschen ihre Fotos machen konnten. Wir waren froh, als wir wieder unten waren. 

Anschließend sahen wir uns das Städtchen an, aßen etwas und legten uns anschließend erschöpft ins Bett, um einen Film zu sehen. Der Fernseher sendete nur das Erste und Zweite Fernsehen. Ich hatte keine Lust auf deutschen Krimi. In deutschen Krimis sind immer alle schlecht gelaunt, gestresst und nölen sich unfreundlich oder sonstwie zickig oder süffisant an. Das ist der gute Ton, Zynismus, der alles andere als gut ist. So einen Louis de Funes hätte ich gerne gesehen. 

Tanzmusik und Singmusik

An meinen Spotify-Playlists erkenne ich, dass ich fast nur noch ausschließlich Tanzmusik höre, also Musik, zu der ich tatsächlich tanze oder in Gedanken Bewegungen ausführe. Das kann alles Mögliche sein, auch Musik mit Gesang, aber Rhythmus und Melodie haben Priorität. Ich höre also Musik ausschließlich als Form und Bewegung, das, was Musik im Wesentlichen ist, und nicht als Träger von etwas anderem.

Mein Leben lang hat aber Musik mit Gesang mein Leben bestimmt. Dabei geht es hauptsächlich um die Texte oder aber um die Gesangsmelodie und den Klang, die Stimme ist Teil der Instrumentierung.

Ich habe immer schon beides gehört, aber das Instrumentale, das Tanzbare war meistens elektronische Musik (angefangen von Tangerine Dream, Kraftwerk über Hip Hop1,  House, Front 242, LFO, Orbital undsoweiterundsoweiter), während das andere Indie-Gitarrenmusik ist, also Musik, die an der Gitarre entstanden ist, mit der Intention zu singen.

Nun gibt es natürlich beides, aber doch sind es für mich zwei Pole mit vollkommen unterschiedlichen Gedanken und Gefühlen. Mit der Gitarre ein Lied zu singen ist etwas vollkommen anderes als zu Tech-House zu tanzen.

Wie unterschiedlich Singen und Tanzen sind, ist mir seit dem letzten Sommer aufgefallen, als ich wieder angefangen habe, Gitarrenmusik zu hören, sie auf der Gitarre nachzuspielen und dazu zu singen. Tanzen ist eine Kunstform und Singen und Gitarre spielen ist eine andere.

Ich merke, dass ich beides brauche und so richtig klar wurde mir es, als ich mich mit meinen alten Freunden traf, mit denen ich Musik gemacht habe oder mit denen mich diese Musik verbindet. Und vor allem als ich wieder anfing, Lieder nachzuspielen und auf Facebook zu posten. Ich habe einen Youtube-Kanal angelegt und muss jetzt Songs wieder auswendig lernen. Das fällt mir viel schwere als ich dachte, weil mir die Übung fehlt und da wird nämlich auch der Unterschied von Tanzmusik und Gitarrenmusik deutlich, ich muss ganz anders denken, mich ganz anders erinnern, mir ganz andere Sachen merken. Ich muss das Gehirn, das ich so schön auf Tanz trainiert habe, vollkommen neu vernetzten. Singen und Tanzen gehören zwar zusammen, aber eine Person macht nicht beides gleichzeitig. Das ist so als würde man kochen und dabei jonglieren. Das ist zwar beeindruckend, aber es besteht kein wirklicher Zusammenhang. Auch an meinen sozialen Kontakten wird das deutlich, es gibt eine Tanzwelt und es gibt eine Musikwelt. Wenn ich mir Fotos von mir als Tänzer ansehe und Fotos von mir als Musiker, dann sehe ich aus wie zwei verschiedene Personen.

Beides zu können und beides zu tun hat mich in den letzten Monaten sehr bereichert, als hätte ich ein bisschen mehr zu mir selbst zurückgefunden. Musik machen umspannt ja immerhin einen Zeitraum von genau vierzig Jahren, Tanzen – also richtig tanzen – nur die letzten sechs.

Vielleicht mag ich auch deshalb Prince so sehr, weil er beides gleichzeitig und ausgewogen beherrscht.

Zudem ist Gitarrenmusik männerlastig und Tanzen frauenlastig, im Flamenco wird das sehr deutlich. Und genau das ist es auch, was Menschen, die beides tun, so androgyn macht. Interessant dabei ist, dass Frauen, die Gitarre spielen und singen, heute für uns selbstverständlich sind2, Männer, die tanzen, noch nicht so ganz. Aber das kommt, so langsam. Vielleicht. Wer weiß. In meinem persönlichen Umfeld sind das jedenfalls zwei Welten, eine davon fast ausschließlich Männer, eine davon fast ausschließlich Frauen. Gedanklich sind wir wahnsinnig weit und offen, tatsächlich stellt sich das ganz anders dar. Bei den meisten Pop-Bands, die ich höre, spielt er Gitarre, sie singt. 

Ich will gar nicht das Fass aufmachen und ich will auch niemandem vorschreiben, wie und wo er sich in welchem Bild wohlfühlt. Ich persönlich fühle mich in vielen Welten wohl und ich würde mich noch wohler fühlen, wenn die Geschlechter gleichmäßig verteilt wären ohne dabei ästhetische Merkmale zu verlieren, sondern im Gegenteil, die Ästhetik dadurch bereichern. Also keinen Wärmetod einer Kultur oder Gruppe, aber eben auch keinen Geschlechterkampf und auch keinen evolutionsbiologischen Hickhack. Rücksicht, Ruhe, Ausgewogenheit und Liebe, damit die persönliche Kraft sich entfalten kann, auf kleinem Raum und ohne jemanden zu stören, das schwebt mir vor. Vielleicht bereichert man sich dabei sogar. Ich bin ja bescheiden geworden.


1 Hip Hop ist ja beides, aber ich habe es eher instrumental gehört, weil ich sowieso kaum ein Wort verstand.

2 Die Hälfte der Gitarrenanfänger sind Frauen, nach einer Studie von Fender.

Nichts denken

Ob ich Stress habe, fragt mich der Zahnarzt. Womöglich beiße ich nachts die Zähne zusammen. Ja, sage ich, so diffus, kein Stress, wie man ihn sonst kennt, eher so eine Grund­anspannung, wodurch das Wenige schon zu viel wird.

Ich merke ja selbst, wie wichtig das Runterkommen ist, wenn ich denn mal runterkomme, entspannt und ohne dass mich der nächste Gedanke packt und zur nächsten Spannung drängt.

Meditieren fällt mir schwer und ich habe es nur phasenweise und sehr selten praktiziert, das allerdings seit meinem siebzehnten Lebensjahr. Ich habe also Übung und eigentlich brauche ich mich ja bloß hinsetzen und nichts denken beziehungsweise mich im Nichtsdenken zu üben. Es ist eine Konzentrations­übung, man ist wach und aufmerksam und lässt einerseits zu, was an Gedanken kommt, andererseits fokussiert man die Gedanken wieder auf eine Sache, auf die Atmung, die Haltung, das Nichts.

Ich habe mir Calm installiert und ausprobiert. Es ist ganz nett, sich von einer App führen zu lassen, aber sie ist mir einfach zu teuer und eigentlich ist Meditation ja ganz simple Selbstführung. Alles, was man an Information braucht, steht bei Wikipedia unter dem Begriff Zen.

Also habe ich Calm deinstalliert und Insight Timer installiert. Mehr brauche ich nicht, ich brauche nur Klangschalen­töne in einem beliebigen Intervall. Der Ton bewahrt mich vor dem Wegdriften und gibt mir ein bisschen Halt und Struktur. Es gibt Meditations­praktiken, in denen man sehr lange einfach bloß da sitzt. Ich nehme mir zehn Minuten. Das alleine, regelmäßig über einen langen Zeitraum, würde mir schon reichen. Mit meiner Tanz- und Traings­praxis mache ich das auch so, ich nehme mir kleine Portionen und baue sie in meinen Alltag ein. 

Neustart

Ich weiß nicht, was ich gemacht habe. Was ich weiß, ist dass ich kein Backup-Plugin installiert hatte. Jedenfalls sind alle Einträge weg. Also, sie liegen noch als HTML-Dateien im Verzeichnis, aber das war’s dann auch schon.

Ich könnte jetzt zurück zu Wordpress gehen und da weitermachen, wo ich aufgehört habe, aber ich mag Bludit und versuche es mal mit dem Backup-Plugin.

Jetzt gibt es erst einmal einen Neustart.