Category: Film

Film

Blonde

Ich habe einen langen Text geschrieben, nachdem ich Blond gesehen habe, nur als erste Gedankenskizze. Und dann wieder gelöscht. Ich habe mir den Film angesehen, weil Nick Cave und Warren Ellis den Soundtrack komponiert und eingespielt haben. Dieser Post hat mich drauf gebracht. Ich war mir nicht sicher, wie ernst die Antwort gemeint war (und bin es immer noch nicht).

Als Film fand ich ihn gut, aber da es sich ja nicht um eine fiktionale Figur handelt, geht der Film so mal gar nicht. Ich ahnte es und wollte es besser wissen, weshalb ich mir die Biografie von Daniel Spoto besorgt habe. Die Biografie ist sehr gut (ich bin aber erst beim ersten Fünftel) und der Film ist eine extrem simplifizierte Verkürzung auf bildhafte Klischees. Bewegte Bilder, die durch ihre Beschränkung einfach falsch und einfältig sind.

Und nach der Lektüre der ersten zwanzig Jahre ihrer Biografie kann ich nur sagen: Blond ist unwürdig und zementiert die falschen Bilder von ihr. Norma Jeane Mortenson hatte Reflexionsvermögen, Selbstbewusstsein, Geistesgegenwärtigkeit und Kontrolle über das, was sie tat. Das erschließt sich nicht aus dem, was sie vor der Kamera sagte oder tat.

Die Romanvorlage soll besser sein, hat man mir gesagt.

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Film, Serien

Stranger Things 4

Stranger Things hat sich von Anfang an einen recht eigenen Platz gesichert mit seiner 80er-Retro-Liebe. Unverkennbar und nicht verschwiegen galt als Inspiration Stand by me plus 80’s-Horror.

Eigentlich war bei mir schon nach der ersten Staffel Schluss, wie so oft bei Serien. Ich bin einfach kein Typ für Serien, ich gucke mir die an wie Lindenstraße, prinzipiell passiert nichts Neues, ich setze mich nur regelmäßig vor den Bildschirm als würde ich anderen Leuten ins Wohnzimmer gucken. Etwas ganz anderes ist es, wenn die Geschichte tatsächlich schlüssig als Ganzes rüberkommt und nicht die Geschichte weiter erzählt wird. Da frage ich mich dann aber durchaus mal, ob es nicht etwas knapper geht.

Stranger Things ist also bestenfalls unterhaltsam für mich. Und das ist es durchaus, aber mehr nicht. Der Horror überzeugt mich einfach nicht. Eine Staffel soll noch kommen.

Gestern habe ich dann The Awakening gesehen, das sich auch nur als schon mehrfach in dieser Art gesehene Geistergeschichte entpuppte. Ich denke ja immer, ein Film könne Überraschungen bereit halten, hat er dann aber oft nicht. Das finde ich etwas enttäuschend. Ja, der Film hat mich zu Tränen gerührt, das ist keine Kunst. Ich habe en offenes Herz für solche gute-Geister-Filme. Mein Gehirnareal für Romantik fühlt sich wohl, mein Areal für Horror ist enttäuscht.

Vielleicht ist das ja ein eigenes Genre: leichte Grusel-Romantik, die sich der Technik des Schocks und Ekels (mäßig) bedient, um die Spannung aufrecht zu halten.

Photo by Adrian Dascal on Unsplash

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Film

Das letzte Duell

Ich fand den Film auf Disney Plus, ich blieb wegen Ridley Scott hängen, sonst hätte ich ihm gar keine Aufmerksamkeit geschenkt. Ich wusste nichts über den Film, was viel besser ist, denn sonst ist die Spannung weg und erzeugt nur unnötige Erwartungen. Deshalb sage ich lieber nichts über den Film, außer, dass ich unglaublich gefesselt war. Ich fand ihn sehr spannend und toll gemacht. Keine Riesengeschichte, aber gerade weil er so fein und detailliert erzählt, hat er mir besonders gefallen.

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Film, Serien

Ted Lasso

Wir haben zufällig reingeklickt und dann war fast die ganze Familie süchtig. Das passiert selten. Eigentlich sonst überhaupt nicht.

Ted Lasso ist extrem komisch und nett im besten Sinne. Jason Sudeikis kannte ich bisher noch nicht, wir haben uns dann noch We’re the Millers angesehen. Auch sehr lustig.

Erschreckend, dass das Product Placement hier überhaupt nicht unauffällig stört, sondern diese Geräte Teil des Alltags geworden sind. Vielleicht nicht unbedingt diese Marke, aber auch das zeigt, wie sehr Gerät, Marke und Alltagsgegenstand verschmolzen sind.

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Alltag, Film, Gesundheit

Fünfundfünzig

Man ist nicht so alt, wie man sich fühlt, man ist so alt, wie man alt ist. Wir messen unsere Zeit in Zahlen und ich lebe jetzt seit fünfundfünfzig Jahren. Die Zeit mag theoretisch relativ sein, aber sie ist doch eine feste Größe und spätestens bei der nächsten Verabredung, zu der man pünktlich sein will, wird sich zeigen, ob man realistisch und praktisch in der Zeit lebt oder nicht. Verhältnismäßig unabhängig davon ist das Gefühl und von vielen Faktoren abhängig ist die gesundheitliche Verfassung.

Ich hätte gelogen, wenn ich in den Jahren zuvor gesagt hätte, mir würde die Zahl nichts bedeuten. Jetzt aber ist es wahr. Die Qualität des Lebens gewinnt an Bedeutung.

Ja, es gibt etwas, dass ich mir für das älter werden vornehme: ich will und muss in Bewegung bleiben. Damit meine ich kein Training oder Wettbewerb, keine extrinsischen Motive. Ich muss diesen Körper in Bewegung halten und ihn mit Sauerstoff und Wasser und Nährstoffen versorgen. Das passiert aber nicht mit Astronautennahrung und technischen Hilfsmitteln, sondern mit reiner Lust und Freude, mit sozialverträglichem Hedonismus und Narzissmus, der die Grenze zu unrealistischen Vorstellungen nicht überschreitet, geschweige denn einem Größenwahn unterliegt. Wenn ich mich doll anstrenge, komme ich mit allem vielleicht mal gerade knapp über das Mittelmaß, das ist meine Position in der Welt. Das ist keine quantitative Aussage, sondern eine qualitative. Im letzten Jahr habe ich gemerkt, dass ich mich nicht mehr doll anstrengen muss. Ich bin relativ stabil. Ich habe die Potentiale, die mir wichtig wahren, einigermaßen rausgearbeitet und kann sie beständig weiterführen, ohne dass sie mir abhanden kommen. Ich kann Pizza futtern, Industriezucker zu mir nehmen, Alkohol trinken, im Bett mein Buch lesen, vor dem Rechner zocken oder zum Spaß WordPress-Themes zusammenklöppeln, solange ich dabei und nebenbei immer in Bewegung bleibe.

Kurz und knapp: Bewegung, viel trinken, viel schlafen. Das ist es, was ich in diesem Alter körperlich brauche.

Die Tage werden jetzt also wieder länger, ich finde den Zeitpunkt meiner Geburt nicht gerade angenehm, oft ist es bewölkt und dann haben wir noch die kürzeste Sonnenphase. Dieses Jahr hatte ich sehr viel Glück, die Sonne schien, es war keine Wolke am Himmel. Ich hatte Karten für’s Kino reserviert und bin mit der Familie in West Side Story gegangen. Das Remake ist grandios. Seitdem ich tanze, ist West Side Story einer meiner Lieblingsfilme. Die neue Version bringt mehr Romeo und Julia-Elemente rein, was dem Film sehr gut tut. Auch sind wesentliche Elemente deutlich besser rausgearbeitet. Technisch ist er auf dem neuesten Stand, Justin Peck ist der Choreograph der Wahl, die Besetzung gut gewählt. Am Anfang des Films sieht man den Lincoln Center und das New York City Ballet im Aufbau, was ich für eine sehr schönen Einstieg halte, weil der Film eben mehr als nur eine Geschichte erzählt, sondern Teil eines viel größeren kulturellen Zusammenhangs ist.

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Film

Joker

Heath Ledger hat 2008 der Comicfigur Joker in The Dark Knight bereits ein menschliches Gesicht gegeben und aus der archetypischen Figur des Tricksters einen psychisch gestörten Menschen gemacht (nicht er selbst, sondern Drehbuch und Regie natürlich). Warum das gemacht wird, weiß ich nicht. Einerseits werden die Schurken vermenschlicht, damit wir die Figuren verstehen und wir in ihnen menschliche Ähnlichkeiten sehen, andererseits ist es nun mal Tatsache, dass psychisch gestörte Menschen Taten vollbringen, die wir nicht verstehen oder nachvollziehen müssen und Comics und Fiktion schon mal gar keine Dokumentationen sind, sondern der Fantasie entsprungen, und sie (nur) kulturellen Mustern und Bildern folgen dürfen. Irgendwie bewegen sich dann diese Filme in einer unschönen Grauzone zwischen Comic und Realfilm.

Ich fand den Film technisch und vor allem schauspielerisch sehr gut, bereits Heath Ledger hat mich begeisert und Joaquin Phoenix hier ebenso. Allerdings wurde mir der Bezug zur Geschichte Batmans etwas zu sehr hingebogen. Geschichtsverfälschung erlaube ich nicht und die Mörder der Eltern waren nun mal klassische Räuber.

Kurz: die Entwicklungsgeschichte Jokers ist mir einfach zu sehr scheinreal hingebogen, aber ich fürchte, da kommt man heutzutage nicht mehr herum. Fehlt nur noch, dass Joker demnächst im Tatort auftaucht.

Selbst wenn der Witz darin läge, dass Joker sich die Geschichte bloß ausgedacht hat, ist das Ganze eine Traum-Schein-Welt-Story und eben kein Comic mehr.

Ich bin da zwiegspalten: als Film sehr gut, als DC Comic-Story nicht so sehr.

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Film

Moment, das ist doch …

Einer der bekanntesten Weihnachtsfilme ist National Lampoon’s Christmas Vacation (Schöne Bescherung, Hilfe, es weihnachtet sehr) mit Chevy Chase, Beverly D’Angelo, Juliette Lewis und Johnny Galecki.

In einem unserer Urlaube hat sich die Familie (samt Kinder) einen Film angesehen, den ich unfassbar komisch fand – genau mein derber Humor. Im Laufe des Films dachte ich: „Griswold, Rusty … das sind doch die Namen aus dem Weihnachtsfilm?!“ Als am Ende dann noch Chevy Chase als Großvater auftauchte, erkannte ich, dass das die nächste Generation war, mit Russ als Vater.

Der Film heißt Vacation, wir haben ihn jetzt zum zweiten Mal gesehen und zum Glück hatte ich fast alles vergessen, so dass ich mich ein zweites Mal halb totlachen konnte.

Der Film bekam ziemliche schlechte Kritiken. Der Filmdienst schreibt: Der „grobschlächtige, auch ins Vulgäre ausgreifende Film“ reihe „in der Manier einer Sketchparade eine Peinlichkeit an die nächste“, wobei er „nahezu ungebrochen einer erzkonservativen Ideologie“ huldige. (Quelle) Das ist natürlich völlig richtig und als alter Fan von Kentucky Fried Movie und Big Gag Movie Station (The Groove Tube) liebe ich solche Filme.

National Lampoon war in den 70ern ein Satiremagazin, es gab eine Radioshow (in der unter anderem John Belushi, Bill Murray und Chevy Chase auftraten), Theaterstücke und Filmreihen.

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Film

Jack Lemmon

Manche mögen’s heiß gehört seit meiner Jugend zu meinen Lieblingsfilmen, die ich mir regelmäßig mit meinen Schwestern angesehen habe. Ein Familienfilm.

Ich habe den Film erst vor Kurzem im Original gesehen und gemerkt, wie brillant Jack Lemmon ist, blitzschnell und lebendig.

Gerade die schnellen Komödien funktionieren im Original besser als synchronisiert, auch wenn ich manchmal weniger verstehe, Spiel und Stimme passen einfach besser zusammen, auch wenn Georg Thomalla einen wirklich guten Job macht.

Zu Weihnachten schenke ich meiner Schwester die Jack Lemmon-Filme, die er mit Billy Wilder gedreht hat. Ich selbst habe sie gar nicht oder mit halbem Auge gesehen oder kann mich kaum noch an sie erinnern. Der erste war Avanti Avanti, den ich schon fantastisch fand, aber Das Apartment ist einfach ein Meisterwerk. Und einer der Gründe ist Jack Lemmons Spiel.

Das Apartment

Auf die Qualität des Schauspiel der Schauspieler aus dieser Zeit wurde ich durch das Buch The Art of Grace aufmerksam. Die elegante, schnelle Art der Körperhaltung und -bewegung, die Gestik und Mimik, präzise und subtil – das machte gutes Schauspiel in dieser Zeit aus. Und das Ganze eben nicht clownesk oder steif, sondern lässig und beinahe schon tänzerisch.

Jack Lemmon ist mir nie besonders aufgefallen. Sicher habe ich einen anderen Blick für so etwas bekommen. Um so begeisterter bin ich jetzt als hätte ich den Schauspieler gerade erst entdeckt.

Die Schlussszene in Rob Reiners When Harry met Sally ist eine offensichtliche Reminiszenz an die Schlusszene in Das Apartment. Eine kleine Verbeugung vor dem Vorbild. Und Jack Lemmons tänzerische Präzision wäre für mich Vorbild für eine romantischen Komödie. Jack Lemmon war jedenfalls Vorbild für Kevin Spacey in American Beauty.

Jack Lemmon hat zum Glück ein umfangreiche Filmografie, so dass es noch einiges für mich zu sehen gibt, vor allem seine Filme zusammen mit seinem besten Freund Walter Matthau. Der dritte Film in der Box ist Der Glückspilz. Der Film ist eine Komödie und Walther Matthau beherrscht die Szenen stark. Das ist vielleicht auch der Effekt, der bewirkt hat, dass ich Jack Lemmon nie so richtig wahrnahm. Er braucht Raum und dann ist er großartig.

Der Glückspilz ist der erste Film zusammen mit Walter Matthau, es folgten neun weitere, und er fand ihm den besten Freund seines Lebens.

Jack Lemmon starb 2001, ein Jahr Jahr nach Walther Matthau.

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Film, Serien

Apple TV

So, jetzt habe ich auch noch Apple TV im Abo, weil mir zwei Sendungen empfohlen wurden 1971 und The world’s a little blurry.

1971 ist eine kleine Serie über die Musik in diesem Jahr und ihren Einfluss auf die Gesellschaft. Wie ich ja schon für die Jahre 1993 und 1977 festgestellt habe, gibt es gewisse Schübe, also Jahre, in denen extrem viel wegbereitende Musik erschien. 1971 war ein ganz besonderes Um- und Aufbruchsjahr, das die Serie auf ganz hervorragnde Weise aufbereitet.

Ich habe die Serie verschlungen. Ich habe ja auch Jens Balzers Das entfesselte Jahrzehnt sehr gerne und mit großem Interesse gelesen. In den 70ern war ich zwar Kind, aber über meine Mutter und meine beiden älteren Schwestern habe ich ja mehr als nur ein bisschen kindlich diese Musik und Zeit mitbekommen. Anders gesagt: ich habe viel gute Musik und wenig von den Hintergründen mitbekommen. Insofern ist das für mich eine intellektuelle Aufbereitung einer Musik, der ich zutiefst emotional verbunden bin.

Ebenso habe ich The world’s a little blurry über Billy Eilish verschlungen. Ich wollte nur mal zum Test reinschauen und blieb zwei Stunden gebannt vor dem Bildschirm sitzen. Ich war vollkommen absorbiert und fasziniert. Ich habe alle Vorurteile über den Haufen geworfen, weil es schlichtweg Fehlurteile waren, und bin jetzt Billi Eilish-Fan. Das Geschwisterpaar wurde letztes Jahr völlig zu Recht mit Grammys überschüttet.

Mein nächstes Cover wird selbstverständlich ein Billie Eilish-Song.

Sonst ist Apple TV für mich uninteressant, weil ich kaum auf dem iPad schaue. Entweder gucke ich im Browser mit Windows oder mit dem Android-Smartphone an einem Bildschirm angeschlossen. Im Browser kann man bei Apple TV nicht mal suchen.

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