Category: Bücher

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Das synthetische Herz

Mein Freund drückte mir nach unserem letzten Musikabend noch drei Bücher in die Hand. Eines davon las ich gleich, weil es so schön dünn war: Das synthetische Herz von Chloé Delaume.

Es geht um eine alleinstehende Frau Mitte Vierzig, die in einer Presseabteilung im Verlag arbeitet. Durch ihren Beruf hat sie viele Kontakte, aber keinen Partner und somit die erwartungsgemäßen Sehnsüchte.

Die Verlagsszene bringt genug interessante Figuren ins Spiel und der Witz und die raue, ehrliche Sprache machen das ganze sehr unterhaltsam. Das klingt ein bisschen nach Heinz Strunk, wer also darauf steht … ich stehe drauf und mir hat das Buch sehr gefallen. Vor allem den Schluss finde ich sehr gelungen. Für mich ist der Schluss eines Buches sehr wichtig, weil es kein Ausklang ist, sondern eine Art Fazit für das Motiv des Buches. Mord aufklären, Liebe beschreiben, Zukunftsaussichten formulieren, Welt retten etc. Man geht mit irgend etwas in die Geschichte rein und muss auch mit irgendetwas raus kommen, sonst habe ich das Gefühl, dass mir nur jemand das Ohr abkaut und sich jemand was von der Seele reden wollte. Dafür gibt es ja Freundschaften und Blogs. Das kann auch für Bücher ausreichend sein, aber dann muss die Geschichte auch gut sein. Dann darf der Anfangssatz ruhig lauten: Ich muss Dir was erzählen! Und das Ende lauten: Der Hammer, oder?! Oder der Stil ist unterhaltsam oder die Gedanken sind klug.

Ich hätte das jetzt nicht erwähnt, wenn es in den Buch nicht auch um Literatur und Literaturgeschäft ginge. Die Autoren und Titel sind ziemlich witzig und der Blick auf die Literaturszene ist überzogen, aber, ich vermute, auch treffend. Eine ziemlich gute Satire.

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Judith und Hamnet

Auf das nächste Buch in meiner Liste hatte ich mich sehr gefreut, weil die Idee und das Thema mich natürlich reizte. Es geht um William Shakespeares Zwillings-Kinder Judith und Hamnet, von denen eines an Pest erkrankt. Ich will nicht zu viel verraten.

Das Buch ist toll geschrieben – das auf jeden Fall – wunderbar sinnlich. Das war aber das auch das Einzige, was ich an dem Buch gut fand. Eigentlich geht es in dem Buch um Agnes, Shakespeares Frau und wieso im deutschen Titel Judith hinzugenommen wurde, weiß ich auch nicht. Um Hamnet geht es jedenfalls eher am Rande.

Es ist eine Familiengeschichte, mehr allerdings auch nicht, ich habe mich ab der Hälfte sehr gelangweilt.

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Erebos

Auf der Liste der Lesetipps stand auch Erebos 2. Man hat mir allerdings den Hinweis gegeben, dass ich erst den ersten Teil lesen sollte. Ich hatte von dem Buch noch nie gehört, dabei erschien es bereits vor zwölf Jahren, ist wohl ziemlich bekannt und beliebt und wird auch gerne in Schulen gelesen, wenn ich das richtig mitbekommen habe.

Das Buch ist tatsächlich ganz unterhaltsam und gut geschrieben. Es ist aufgebaut wie ein klassischer Thriller beziehungsweise Krimi. Die Geschichte ist technisch sauber und bindet ganz gut menschliche Beziehungen ein. Es handelt sich also keineswegs um bloße Computerspiel-Kritik, was ich ein bisschen befürchtet hatte, geht also als bodenständiger Thriller mit einem Hauch Utopie gut durch.

Das Audible-Hörbuch ist gekürzt, was ich leider wieder einmal erst zwischendrin bemerkt habe, ich lese und höre ja parallel. Auf Youtube fand ich drei private Lesungen, eine davon hat mir sogar sehr gut gefallen. Es wäre schön, wenn so etwas generell erlaubt wäre.

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Das Gehirn hat kein Geschlecht

„Die zentrale These dieses Buches lautet, dass es das weibliche und das männliche Gehirn nicht gibt, sondern jeder Mensch ein einzigartiges Mosaik aus ‚männlichen‘ und ‚weiblichen‘ Eigenschaften besitzt.“

Das Gehirn hat kein Geschlecht, Daphna Joel und Luba Vikhanski

Mit dem ersten Satz in den Anmerkungen zum Buch ist eigentlich schon alles gesagt. Man kann männliche und weibliche Unterschiede im Verhalten bei Menschen messen, aber in einer Person sind die Kategorien individuell gemischt. Man kann also zum Beispiel anhand eines Textes wahrscheinlich sagen, ob ihn ein Mann oder eine Frau geschrieben hat, indem man Wörter analysiert, aber nicht, ob diese Person einen Science-Fiction-Roman oder einen Liebesroman geschrieben hat.

Soweit die Tatsachen. Will man Voraussagen über das Verhalten von Menschen machen, kann man das über das Geschlecht tun, wird aber meistens komplett daneben liegen. Das ist zwar immer noch besser als beim Lotto (1), aber praktisch genau so unpraktisch bzw. unrealistisch.

Die daraus folgende Schluss ist natürlich, dass man in der Sicht auf Menschen und beim Umgang mit Menschen das Geschlecht schlicht außer Acht lassen soll. Von sozialen Rollen will ich mal gar nicht reden. Das macht das Buch sehr schön ab der zweiten Hälfte.

Ich habe das Buch extra noch mal als Hardcover gekauft, um es mir ins Regal zu stellen. Das Buch ist wirklich toll, weil es in sehr kurzer, präziser Form zeigt, wie sich „männlich“ und „weiblich“ im Gehirn und damit im Verhalten zeigt, nämlich individuell und in Mischform ausgeprägt. „Der Mann“ und „die Frau“ gehören ausschließlich in die Welt der Ideen und Vorstellungen. Ich will das auch gar nicht runterspielen, denn die Welt der Fantasien und Vorstellungen ist eine, in der ich mich gerne bewege, aber ich bin ja zugleich ein realistischer Mensch, der diese immer wieder auf den Prüfstand stellt.

(1) Ich habe es nachgemessen und die Statistik ausgewertet. Wenn man die Lottozahlen in zwei Gruppen teilt (was nicht ganz genau geht, da die Zahl ungerade ist) und sich die Häufigkeit der gezogenen Zahlen nimmt, sieht man, dass beide Gruppen insgesamt gleich viele Ziehungen hat.

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Die Entdeckung des Himmels

Das dritte Buch auf meiner Leseliste war Die Entdeckung des Himmels von Harry Mulisch. Was für ein Roman. Ein achthundert-Seiten-Schinken, der alles hat, was mich an Romanen begeistert: Witz, Intelligenz, großartig konstruiert, fulminant von der ersten bis zur letzten Seite.

Das Buch wurde auch verfilmt und auf die Theaterbühne gebracht.

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Bücher, die dich bereichert haben

Nachdem es einen kurzzeitigen Run auf Mastodon gab und Nutzer wieder aktiv wurden, habe ich in die Runde gefragt, welches Buch sie in letzter Zeit bereichert hat. Ich suchte gerade nach einem lesbaren Buch und würde dann anschließend in die Bücherei fahren und es mir ausleihen.

Es trudelten schnell eine ganze Reihe Antworten ein und ich entschied, alle Bücher zu lesen, egal was, hintereinander. Nur eines viel raus, weil es sich um einen Gesundheitsratgeber handelte.

Ich fing mit der Schachnovelle an, weil sie kurz war. Ich mag Novellen sehr und fand sie toll. Schach ist ein persönliches Thema meiner sehr frühen Jugend. Ich habe noch Schwarz und weiß wie Tage und Nächte als DVD ungesehen im Regal, ich habe es 1978 im Fernsehen gesehen.

Danach kam Schonzeit vorbei von Juna Grossmann. Lesenswert, sehr!

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Das Geheimnis von Greenshore Garden

Mein erster Agatha Christie. Nett. Und schön dünn. Ich komme mit Krimis nicht gut klar, weil ich immer ein Personenverzeichnis brauche. Ich nehme an, dass bei all ihren Krimis am Schluss der Fall an einem Stück gelöst wird, also komplett aufgedröselt. Das ist nicht so mein Fall. Vor allem, wenn die Haushälterin in Wahrheit die steinreichte Nichte des Gärtners ist, der das Haus an die Gräfin verkauft hat, die nur so tut als sei sie dement undsoweiterundsofort.

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Nüchtern

Nach „Allein“ habe ich „Nüchtern“ gelesen, mit gemischten Gefühlen, nein eher gemischten Gedanken. Das Buch ist, wie „Allein“ auch, ein Erfahrungsbericht, angereichert mit angelesener Information. Das klingt abschätziger als ich es meine. Ich finde das sehr gut und lese das gerne, so wie man sich mit jemandem unterhält, der Erfahrungen gesammelt hat, nachgedacht hat und etwas zum Thema gelesen hat. Kein Fachbuch, kein Sachbuch, keine Selbsthilfeanleitung. Das Buch hätte genau so gut „Rausch“ lauten können.

Daniel Schreiber schreibt gut und klug und ich lese ihn gerne.

Es geht in dem Buch um die Entscheidung, ohne Rausch zu leben, also nüchtern, bis zum Ende des Lebens, weil die Sucht nach Rausch krankhaft geworden ist und nicht mehr in seiner Entscheidungskraft lag. Und genau das ist die Norm und die Gefahr bei Alkohol. Das ist die Regel und nicht die Ausnahme, wie man sich gerne einreden will.

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Das ist Lust

Ich habe Mary Gaitskill Das ist Lust gelesen, weil es mir bei der Suche nach Büchern von Daniel Schreiber angezeigt wurde, der es übersetzt hat.

Das Verrückte an Sexualität ist die schier unfassbare Größe und der Versuch, Körper, Gefühl, Fantasie und Sprache unter einen Hut zu bringen. Es gibt so viel Unsicherheiten, Unerklärliches und Ungesagtes. Es gibt Grenzen, Moral und Geschichten. Mary Gaitskill erzählt eine Geschichte, ihr gelingt es, das Persönliche, das Intime und die Beziehung in den Raum zu stellen.

Beziehungen bestehen nicht aus einzelnen Sätzen, es sind Erzählungen und Geschichten, Rollen, Figuren und Absichten. Man kann es sich einfach machen, das macht die komplexe Sache handhabbar, aber mehr auch nicht.

Das Buch ist eine gute und wichtige Erweiterung zum Thema Me-Too.

Mein Denken ist durch mein Lesen bestimmt und das war viel Twitter, Querlesen im Internet und es waren Nachrichten. Meine eigenen Erlebnisse habe ich damit in Verbindung gebracht, ich weiß aber nicht, ob das Lesen mir bei meiner eigenen Aufklärung viel geholfen hat. Eher nicht. Das waren andere Sachen.

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