Eighties R’n’B, Funk and Soul

Die Zeitschrift Tempo hatte 1988 eine Sampler-Serie mit dem Titel Soulbeat rausgebracht. Es gab sieben Stück bis 1990.

Ich habe den ersten Sampler rauf und runter gehört. Die Serie ist außergewöhnlich gut und enthält in der Regel die Maxiversionen. Auch wenn ich mir manche Sänger oder Bands sonst nie angehört hätte, auf den Samplern waren sie abwechslungsreich mit Geschmack und Fingerspitzengefühl eingebunden.

Ohne Prince hätte ich in den 80ern kein R’n’B gehört. Über ihn bin ich zu The Time gekommmen, zu Jimmy Jam und Terry Lewis und so weiter.

Eine sehr spezielle Zeit, ein sehr spezieller Sound und ab 1990 war es vorbei, nicht einmal mit Prince konnte ich noch viel anfangen, es blieb nur der Hip Hop und neu kam Dancefloor Jazz. Soul und R’n’B hörte ich danach gar nicht mehr.

Ich habe mir die sieben CDs gebraucht gekauft und war sehr glücklich über den Zufall, dass gerade jemand alle zusammen zu einem recht günstigen Preis verkauft hat. Das Paket ist Gold wert.

Das Artwork ist nicht sehr schön und ich bin froh, die Sampler komplett auf meinem kleinen Player zu haben, ohne Cover und Bilder. Außergewöhnlich gute Musik, die ich überhaupt nicht mehr auf dem Schirm hatte, jetzt aber wieder um so mehr.

To hell with tradition

Schamlose Werbung. Ein Freund von mir bringt ein Album raus, selbst aufgenommen, das Artwork ist von mir.

Ich finde das Album toll und sehr gelungen.

Billy Nomates – No

Jetzt bin ich verwirrt, aber wenn ich das richtig sehe, hat Billy Nomates ihr Album No im Alleingang zuhause aufgenommen und über Bandcamp verkauft (dort habe ich es nämlich her), und jetzt kommt das Album demnächst bei Invada Records (Geoff Barrows Label) raus. Ich vermute, es wurde nochmal neu aufgenommen oder produziert oder abgemischt. Das finde ich völlig in Ordnung, auch wenn ich ein großer Freund roher Aufnahmen bin, kann man aus manchen Song einfach mehr machen.

Ich hatte mich letzten mit einem befreundeten Musiker unterhalten und stellte fest, dass es den einen, fertigen Song selten gibt, es kommt immer wieder mal vor, dass es Songs in unterschiedlichen Versionen gibt, weil man als Musiker ja nie sagen kann, wann ein Song in welcher Version als fertig gilt. Das, was man hört, ist ja immer nur eine Version eines Songs.

Top Tracks 2019

Bleep hat Ende des letzten Jahres seine Liste mit den 100 besten Tracks herausgegeben und verkauft sie für rund 30 Euro.

Da ich ja kaum noch was mitbekomme außer dem Mainstream über Spotify, habe ich das Paket sofort gekauft und mir auf dem kleinen Player gezogen, der so klein ist, dass ich nicht sehen kann, was gerade spielt (ein SansaClip+ mit Rockbox drauf). Ich kann also ganz unvoreingenommen hören.

Nur wenige Tracks sind wirklich hängen geblieben. Klang, Rhythmus, einfache Melodien, mehr ist elektronische Musik in der Regel nicht.

Die Tracks, die mir in Erinnerung blieben

Der auffälligste Track war ganz klar FKA twigs Cellophane. Mit kristallklarer Nähe singt sie sich direkt in die Hirnwindungen und wandert von dort aus durch Rückenmark und Eingeweide. So intensiv und so dringlich klingt es, dass man dafür Zeit und Raum zum Zuhören braucht.

Nebenbei bemerkt, ist FKA twigs Tänzerin und tanzt im Video Pole Dance. Das hier ist eine Schulter-Rolle, die ich mittlerweile zwar einigermaßen kann, aber dafür etwa ein halbes Jahr geübt habe. Hier eine Variation.

Und ehrlich, ich wusste nicht, dass das Stück von ihr ist, obwohl ich viel von ihr gehört habe. Das Stück hat sich ohne Wissen und Bezug ganz weit nach oben in die Liste genagelt und war nicht mehr vom ersten Platz zu kriegen.

Clarks Legacy Pet fiel mir auf, weil es mir schlichtweg die Ohren weggeblasen hat und ein zeitgenössischer Dance-Track mit 90er-Rave Zitaten ist. Ein sich windendes und wälzendes Objekt, das sich explodierend und implodierend frei durch den Raum bewegt. Ein ganz besonderer und ganz besonders guter Dance-Track und optimal zur Tanzimprovisation geeignet.

I’ve been quite amused at how easy it is to stream background music these days. How accessible it all is and how entitled we all feel to it, like it’s some sort of air freshener you spray in your Uber …

Anyway, I don’t want these 2 tracks to be part of background air freshener world. They are limited edition club gear. I wanna play them out so badly in my live show.

Clark

Ich sehe gerade, dass Clark tatsächlich ein Stück für einen Tanz kreiert hat.

Der nächste, auffällig gute, treibende Techno-Track mit 90er-Samples ist AQXDM feat. Aquarian & Deapmash Leisure Techno. Burner. Get ready for the Dancefloor.

Bibio Curls ist ein feines, kleines Stück mit Seiteninstrument-Gezupfe und Violine. Ein schönes Lied.

Bei Bleep fällt man ja schon auf, wenn ein echtes Instrument erklingt. Es hätte wahrscheinlich jedes Jazz-Sück sein können, um meine Aufmerksamkeit zu erregen, in der Sammlung ist es People Saved von Ezra Collective. Was Jazz angeht, bin ich extrem grobsinning. Mir kann man da alles vorsetzen. Gefällt mir.

Holly Herndons Eternal kann natürlich nicht überhört werden. Wie ein 500 Kilo schwerer Goldrauschengel legt sich dieses Stück auf einen drauf und macht einen für knapp fünf Minuten unbeweglich, staunend, hörend und darauf hoffend, einigermaßen unversehrt wieder hervorgekrochen zu kommen.

Ähnlich wie die beiden Technostücke oben, ist Do It Without You von Jacques Greene auch ein ganz hübsches, an die 90er erinnerndes, rollendes Stück, das sich in meine Ohren schmeichelt.

Luke Slaters Love (Burial Remix) ist ein hypnotisches Stück, elementar und rein. Ich mag Techno und im Techno schließt sich der Kreis. In einer Techhouse-Nacht entdeckte ich den Tanz wieder, ich kam zum Ballett, dann zum zeitgenössichen Tanz und landete dort wieder bei Techno.

Das waren jetzt mal meine Highlights. Anhören und kaufen kann man die Stücke auf der Bleep-Seite. Auch als Stream bei Spotify.

Farbiges Vinyl

Ich liebe farbiges Vinyl. Früher hieß es, schwarzes Vinyl klänge besser. Inzwischen hat sich die Technologie entwickelt und eventuell klingt es genau so. Ich würde wahrscheinlich gar keinen Unterschied hören. Ich habe ja schon beim Blindtest mit unkomprimierten Sounddateien und MP3 versagt. Ich kaufe trotzdem Wave-Dateien. Es ist ja möglich, dass ich in zig Jahren eine Anlage habe, auf der ich die Unterschiede höre. Unwahrscheinlich, aber möglich.

Bei Vinyl gehe ich momentan also nach dem Außsehen. Man muss sehr schnell sein und den Shop suchen, bei dem man die limitierten, farbigen Versionen bekommt. Oft ist es dummerweise Amazon. Manchmal der Band-eigene Shop und in manchen Shops leider mit Versandkosten, die höher sind als die Kosten für das Album.

Geringe bis gar keine Versandkosten gibt es bei jpc, finestvinyl.de und boomkat.com.

Ich bin auch regelmäßig auf Plattenbörsen, dort kaufe ich allerdings nur alte Sachen. Ich bin dort wegen des Events an sich und der Menschen. Die mit mir Gealterten und unsere Liebe zur Musik. Zum Mittag gibt es Kürbissuppe, belegte Brötchen und eine Tasse Kaffee.

Meinen local Recordstore supporte ich weniger, weil ich meistens konkrete Vorstellungen habe oder einfach nicht in der Gegend bin. Früher hatte ich ganz viel Zeit für sowas.

Sensual World

Sensual World sind eine Punk Band aus Richmond, die sich nach dem Album von Kate Bush benannt haben. Viel mehr Info habe ich nicht gefunden und ist auch gar nicht nötig. Eine Punk-Band, die sich nach einem Kate Bush-Album benennt, rennt bei mir offene Türen ein.

Ihr Album Feeling Wild ist genau die Musik, nach der ich gesucht habe, laut, roh (Fender Telecaster!) und mit feinem Gespür für Melodien.

Ihre Musik gibt es bei Bandcamp.