Gesundheit

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  • Das Gehirn sagt vorher, was wir tun

    Weiter geht es mit den siebeneinhalb Lektionen über das Gehirn. Das eine Kapitel über das kindliche Lernen übergehe ich. Ich (und meine Kinder) bin aus dem Alter raus.

    Die nächste Lektion lautet: Ihr Gehirn sagt vorher, was sie tun.

    Ich erinnere mich an einen Artikel, der über diese Erkenntnis berichtete und was das für Konsequenzen beispielsweise für die Schuldfähigkeit haben könnte. Zum Glück hat diese Tatsache kaum jemanden interessiert und niemand hat die grundsätzlche Schuldfähigkeit des Menschen in Frage gestellt.

    Während Ihr Gehirn Vorhersagen trifft, überprüft es sie anhand der Sinnesdaten, die es aus der Außenwelt beziehungsweise aus dem Körper bekommt. Was jedoch als Nächstes passiert, verblüfft mich immer noch, selbst als Neurowissenschaftlerin. Falls Ihr Gehirn eine gute Vorhersage getroffen hat, feuern Ihre Neuronen bereits in einem Aktivitätsmuster, das zu den eintreffenden Sinnesdaten passt. Was bedeutet, dass die Sinnesdaten keinen anderen Nutzen haben, als die Vorhersage Ihres Gehirns zu bestätigen. Was Sie in der Welt sehen, hören, riechen und schmecken und was Sie in diesem Moment in Ihrem Körper empfinden, ist in vollem Umfang ein Konstrukt in Ihrem Kopf. Durch seine Vorhersage hat Sie Ihr Gehirn schon aufs Handeln vorbereitet.

    Lisa Feldman Barrett, Siebeneinhalb Lektionen über das Gehirn

    Mit anderen Worten: Wir erkennen, was wir tun. Das, was wir als Besonnenheit oder Geist oder Bewusstsein oder wie immer wir diesen Zustand nennen wollen, wahrnehmen, ist das, was wir alltäglich unter „Denken“ verstehen. Das ist zu wenig. Darunter liegt ein ganzes Meer komplexer Denkvorgänge, die bereits alles Notwendige in Gang gesetzt haben. Das sind unsere sinngebenden, lebenserhaltenden Vorgänge, individuell und im Austausch mit anderen. Unser „bewusster Moment“ ist manchmal also auch dafür da, unserem Gehirn alternative Vorhersagemöglichkeiten zu bieten.

    In Ihrer Kindheit kreierten Ihre Bezugspersonen die Umwelt, die für die Verschaltung Ihres Gehirns sorgte. Ihre Bezugspersonen haben Ihre Nische geschaffen, Sie selbst haben sich diese Nische nicht selbst ausgesucht – Sie waren ja noch ein Baby. Also sind Sie nicht verantwortlich für die frühkindliche Verschaltung Ihres Gehirns. Wenn Sie mit Menschen groß wurden, die einander sehr ähnlich waren, ähnliche Kleidung trugen, ähnliche Überzeugungen hatten, den gleichen Glauben teilten oder einander in Hautfarbe oder Gestalt stark ähnelten, dann haben diese Ähnlichkeiten das Bild vom Menschen bestimmt, das Ihr Gehirn erwartet und aufgrund dessen es seine Vorhersagen trifft.

    Ihrem sich entwickelnden Gehirn wurde eine bestimmte Bahn vorgezeichnet.

    Aber wenn Sie erwachsen sind, ist das anders. Sie können mit den unterschiedlichsten Menschen Kontakt schließen. Sie können die Überzeugungen, die man Ihnen als Kind mitgegeben hat, ändern. Sie können Ihre Nische neu einrichten.

    Ihre Handlungen werden zu den künftigen Vorhersagen Ihres Gehirns, und diese wiederum beeinflussen Ihre künftigen Aktivitäten. Sie haben also durchaus die Freiheit, Ihre Vorhersagen neu und anders auszurichten.

    Nicht jeder Mensch kann sich zu 100 Prozent aussuchen, was er verbessern kann, aber jeder Mensch kann sich zumindest ansatzweise dafür entscheiden, etwas anders zu machen als bisher.

    Lisa Feldman Barrett, Siebeneinhalb Lektionen über das Gehirn
  • Der Inhalt einfach nur WOW

    Ich kann wieder ohne Brille lesen. Seit 15 Jahren lese ich nur mit Lesebrille, mittlerweile brauche ich für fast alles eine Brille, außer Autofahren und draußen Laufen. So richtig störend ist es beim Reparieren und Rumschrauben, weil ich da oft verdreht und über Kopf arbeite. So richtig störend ist es auch, wenn ich Musik mache, vor allem mit Kopfhörern. Die Noten und Texte drucke ich mittlerweile in Großschrift aus, A4 reicht dafür nicht mehr.

    Vor dem Auftritt hatte ich die Idee, zum Optiker zu gehen und nach Kontaktlinsen zu fragen, damit ich in der Nähe scharf sehen kann (Noten), der Rest interessiert mich nicht, weil das sowieso im Dunklen ist (Publikum). Aber es gibt ja mittlerweile Bifokallinsen, mit denen man sowohl in der Ferne als auch in der Nähe sehen kann. Wunderwelt der Technik, ich bekomme mal wieder nichts mit.

    Ich wurde vermessen und mittlerweile habe ich für mich passende Linsen, die ich schon länger tagsüber trage. Es ist gewöhnungsbedürftig, mehr kann ich dazu nicht sagen. Wer Hemmungen hat, am Augapfel rumzugrapschen, sollte es lieber lassen, denn das ist nötig. Aber das lernt man.

    Mit den ersten Linsen bin ich gleich in die Stadtbücherei und in Buchhandlungen gegangen und habe es so sehr genossen, den Text ohne Brille lesen zu können.

    Ich habe mittlerweile mal wieder zig Bücher angefangen und nicht zu Ende gelesen, ich bin mal wieder in der Phase. Aber ich gräme mich nicht mehr.

    In der Stadtbücherei nehmen Unterhaltungsromane einen immer größeren Raum ein. Der eine hat mir gereicht, und war immerhin noch lesbar. Ich bin ja nicht grundsätzlich abgeneigt, neige zu romantischen Gefühlen und Gefühlen überhaupt, aber irgend etwas scheint doch grundsätzlich anders zu sein. Das nimmt einen unglaublichen Raum in diesen Geschichten ein. Romantische Gefühle sind ein echtes Spezialgebiet. Das ist Fachliteratur, Special Interest. Was für den einen Raumschiffantriebe sind, sind für manch andere Sehnsucht nach einer anderen Person.

    Jetzt lese ich gerade, dass diese Romane in Bestsellerlisten auftauchen und über TicToc „rezensiert“ werden. Und über Blogs. Ich weiß, dass es etwas überheblich ist, das Wort in Anführungszeichen zu setzen, aber ich habe gerade bei einem dieser Romane nachgelesen. Die Rezensionen verweisen auf Blogs, die alle mittlerweile entfernt sind. Ich glaube, dass man diese Bücher und ihre Rezensionen und die kompletten Accounts komplett einer KI überlassen kann.

    Es gibt diesen Begriff „Popcorn-Kino“ und die Redewendung „das Gehirn abschalten“, deshalb will ich das gar nicht allzu sehr werten, aber alles steht und fällt für mich mit der Dosis.

    Wir haben mal in der Musikrunde unsere „Peinlich, aber geil“-Lieder mitgebracht. Man merkt schnell, dass die Grenzen da sehr fließend sind und man irgendwo schwankt zwischen „verbohrt“ und „naiv“. Verbohrt ist man, wenn man nichts Peinliches mag, naiv ist man, wenn man nur Peinliches mag. Und was peinlich ist, weiß man sehr genau, dafür hat man ein Gefühl. Fußnägel rollen sich hoch, Magen dreht sich um. Selbst die stumpfesten Menschen kann man da packen und werden windelweich.

  • Knieupdate

    Ich war über Weihnachten und Silvester mit meinem Knie beschäftigt. Es war auch nicht anders möglich, denn weder konnte ich es ignorieren und weiter machen wie bisher, noch konnte ich nichts tun. Ich musste (be)handeln, mich informieren und Entscheidungen treffen.

    Ich habe alles probiert, was möglich war, habe etwas davon beibehalten und hoffe auf noch mehr Verbesserung.

    Ich lasse es nicht operieren. Ich habe mit Freunden und Bekannten gesprochen, die selbst einen Meniskusriss haben oder hatten. Und ich habe mit meinem Orthopäden gesprochen. Eine Knie-OP ist keine Autoreparatur. Der Meniskus kann nicht repariert werden. Da wird etwas weggeschnitten und was weg ist, ist weg.

    Das ist eine Tatsache, die ich erst einmal verarbeiten musste. Es gibt Dinge am Körper, die nicht heilen, vielleicht etwas beeinträchtigen, aber mit denen man ganz gut leben kann. Ein Meniskus hat eine wichtige Funktion und so ein Riss tut weh.

    Unbewusste Schonung vermeiden

    Was ich vermeide, sind Drehungen und Stöße bzw. schnelle, harte Bewegungen. Alles andere ist und muss möglich sein. Das Gehirn darf auf keinen Fall aus Angst vor Schmerz anfangen, die Bewegungen unbewusst zu sehr einzuschränken. Mein schmerzfreier Bewegungsradius ist beinahe wieder hergestellt. Starke Dehnungen, also hinknien, ist schmerzhaft. Allerdings bin ich hinterher deutlich schmerzfreier.

    Ich achte auf sanften Druck. Jede Bewegung übe ich grundsätzlich aus und versuche, dabei keine Angst vor Schmerz zu haben. Diese Angst vor Schmerz ist der schlimmste Faktor.

    Ich habe mir eine Bandage verschreiben lassen und welche zum Selbstbinden besorgt. Ich kann mein Bein sehr gut ruhig stellen, was manchmal sehr angenehm ist. Ich habe ein stabiles Gefühl und muss mir nicht ständig Gedanken über meine Bewegung machen. Bandagen schränken den Bewegungsradius angenehm für eine gewisse Zeit ein.

    Tanzen und Bewegung

    Ich kann wieder ganz normal und schmerzfrei gehen oder Rad fahren. Mein Tanzstil muss sich ändern. Ich kann wieder Contemporary tanzen. Im Sommer haben wir einen Auftritt, für den wir jetzt schon üben und trainieren. Ich musste mich also schnell entscheiden, ob ich das machen kann. Ich kann.

    Mit Irish Dance hatte ich etwas gefunden, was ich schon lange suchte. Daraus wird nichts mehr. Sean Nós werde ich vielleicht irgendwann wieder probieren. Ballett könnte ich mit Einschränkungen machen, aber das ist unbefriedigend. Entweder will ich etwas ganz oder gar nicht machen und nicht ständig über die Gefahr nachdenken.

    Beim Tanzen wachse ich über meine Grenzen hinaus. Das ist jetzt deutlich eingeschränkt. Äußerlich merkt man davon nicht viel, aber für mich fühlt sich das anders an.

    Massagen

    Ich muss die Muskeln um das Knie herum massieren. Ich merke, wie sich das Gedächtnis auf den Schmerz einstellt und verkrampft. Muskeln, Nerven und Gehirn machen ein bisschen, was sie wollen, da muss ich mich mittels meines Willens einmischen und Entspannung reinbringen. Kein störrischer und harter Wille also, sondern ein beruhigender.

    Ich habe noch ein elektrisches Nacken-Massage-Gerät mit rotierenden Kugeln, das kann ich auch für mein Bein einsetzen, gemütlich vor dem Fernseher.

    Muskelaufbau

    Es wird gesagt, dass die Muskeln um das Knie herum kräftig sein sollen. Ich habe zwar kräftige Muskeln am Bein, aber für die Innenmuskeln mache ich spezielle Übungen. Ich wickele mir 2 Kilo Gewichte ans Bein, lege mich auf die Seite und hebe das untere Bein an. Das obere winkele ich an und stütze es vor dem Körper ab. Man kennt das.

    Ich habe mir ein Buch für das Knietraining gekauft, vor allem für Informationen über Meniskusrisse und wie man die Schmerzen durch Muskeltraining reduzieren kann.

    Ich fahre jetzt auch wieder Rad.

    Ernährung

    Ich weiß nicht, ob der Körper tatsächlich Collagen über die Nahrung einlagern kann. Es kostet nicht viel und die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Zusätzlich habe ich mir Kapseln mit irgendwas besorgt, was für die Schmierung der Gelenke förderlich sein soll.

    Zusammenfassung

    Ich habe den Eindruck, dass die schmerzhafte, starke Dehnung am besten hilft. Anschließend massiere ich, um die dabei entstandene Verspannung aufzulösen. Danach stelle ich das Bein mit Bandagen ruhig.

    Spezielles Muskeltraining werde ich beibehalten und auch Tanzen werde ich beibehalten. Allerdings ist Tanzen für mich in Zukunft eher somatisch, rein gesundheitlich und nur noch für meine Gesundheit und mein Wohlbefinden. Ich verfolge keine anderen sozialen oder künstlerischen Ziele mehr. Bisher habe ich ja alle Aspekte berücksichtigt und mich auch darüber hinaus für das Tanzen interessiert, aber jetzt muss ich nur noch an mich denken, denn ich möchte keine andere irreparable Verletzung mehr erleben. Es reicht mir, dass ich für den Rest meines Lebens mit der einen leben muss.

  • Meniskus

    Ich habe einen Riss im Meniskus, dazu hier und da Zysten in der Umgebung. Beim Laufen merkte ich es zuerst, aber der Schmerz war so ungenau, dass man wahrscheinlich nicht viel gesehen hätte. Irish Dance hat dem Ganzen wahrscheinlich den Rest gegeben.

    Das war’s mit Irish Dance, das war’s mit großen Sprüngen und mit dem Laufen.

    Gestern habe ich mich bei der Hochschulgruppe verabschiedet. Ich habe die Cookies mitgenommen, die gut angekommen sind. Kein Wunder bei den Zutaten. Ich finde es sehr schade, die Gruppe zu verlassen, das waren sehr nette und interessante Menschen. Auf den Weihnachtsmarkt bin ich nicht mitgegangen.

    Ich werde mich jetzt dem Sean Nós widmen, das ist recht gelenkschonend und wollte ich ja sowieso ursprünglich.

    Als Therapie wurden mir Eigenblutspritzen angeboten. Die Kasse zahlt die nicht und kosten insgesamt sechshundert Euro bei fünf Spritzen. Die Alternativen sind eine Operation oder nichts tun.

    Ich werde was tun. Ich werde jetzt durch schonendes Training stabilisieren und Nahrungs-Ergänzungs-Voodoo in Tablettenform zu mir nehmen. Das ist billiger.

    Und ich werde natürlich einen ganz klare Linie ziehen, was die Belastung angeht. Keine kraftvollen Drehungen und Stöße mehr, also kein Laufen, keine Sprünge und kein Irish Dance. Gucken, ob sich das irgendwas regeneriert, sonst bleibt es dabei.

  • Gefühle

    Gefühle sind eine Art Biofeedback. Eine grandiose Fähigkeit.

  • Zwei rote Striche

    Die Tochter ist schon lange erkältet, aber ihre Corona-Tests (auch PCR) waren alle negativ. Ich habe mir also letzten Freitag nichts dabei gedacht, als mein Hals anfing zu kratzen. Natürlich habe ich mich bei ihr angesteckt, dachte ich, ich habe ja auch nie Abstand gehalten.

    Samstag hatte ich Fieber und Sonntag zur Sicherheit mal einen Schnelltest gemacht. Ein zarter Strich bei T. Ungültig, sagte ich. Noch einen gemacht. Wieder nur bei T, blass bei C. Wir schicken das Foto an eine befreundete Ärztin, die sagt: Ja, nee, ist zweifelsfrei positiv.

    Ich habe ein ganz gutes Gefühl für meinen Körper und merke, wie er massiv gegen eine heftige Infektion angeht, die sich überall breit machen will. Mit Apfelsaftschorle, Dosenfrüchten (Zucker) und Dosensuppen (Salz etc.) versorge ich drei Tage lang den siechen Körper. Nach drei Tagen nehme ich Ibuprofen und der Spuk ist vorbei.

    Positiv bin ich immer noch und hänge bei den heißen Temperaturen seit Tagen im Zimmer fest.

    Es ist gut gegangen, aber es nervt und ich kann gerne drauf verzichten. „Mild“ ist ein alberner Euphemismus.

  • Rücken und Rheuma

    Ich würde das Thema ja gerne negieren und mich weniger damit beschäftigen, aber das wäre unsinnig, weil ich es dann bloß ausblende, ignoriere und es dadurch noch schlimmer wird.

    Vor einer Woche hatte ich Rückenschmerzen, von denen ich nicht wusste, woher sie kamen, es gibt allerdings Stellen in meinem Rücken, die ganz besonders betroffen sind und sich als Rheuma bemerkbar machen. Es gibt also keine einzelne Ursache, sondern ist vielmehr mit einer Kettenreaktion in einem Netzwerk vergleichbar.

    Ich war in Panik, weil Proben und ein Auftritt anstehen, die mich körperlich sehr fordern. Ich will da auch kein speziell medizinisches Problem draus machen, ich kenne die medizinischen Hintergründe zur Genüge. Ich muss es vielmehr selbst in die Hand nehmen und für mich Möglichkeiten und Wege und Präventionen finden, generell einen Lebensstil und Gewohnheiten, die eine Weichheit und Gelenkigkeit ermöglichen.

    Ich bin sicher, dass Alkohol meinem Körper am meisten schadet, bereits in kleinsten Mengen. Ich darf eigentlich überhaupt keinen mehr trinken.

    Gegen den Schmerz nehme ich ruhig mal ab und zu Aspirin oder Ibuprofen. Die Nebenwirkungen sind verhältnismäßig gering.

    Der Rücken muss mechanisch bearbeitet werden. Das ist der schwierigste Teil. Die Eigenbewegung des Körpers ist die erste und einfachste Art der Massage. Es ist nachgewiesen, dass das Tanzen eine der besten Formen ist, um die Feinmotorik im gesamten Körper in Bewegung zu halten. Das bedeutet aber frei und entspannt ohne großen Anspruch zu tanzen. Das ist leichter gesagt als getan.

    Thai-Massage

    Der Rücken braucht aber zusätzlich Massage. Ich hatte letzte Woche meine erste Thai-Massage und es war fantastisch. Das war bestimmt nicht meine letzte.

    Yoga und Massagepistole

    Die Faszienrolle habe ich weggelegt, sie wirkt zu flach, nicht punktuell genug. Ich habe mir eine Massagepistole gekauft, die ich schon seit einem halben Jahr regelmäßig benutze, sie ist eine der besten Anschaffungen. Mit ihr kann ich Muskeln und Bindegewebe weichklopfen. Es ist wichtig, dass man bei der Massage nicht verkrampft, sonst hat man den gegenteiligen Effekt. Aus dem Grund mache ich schon länger Yin Yoga, um die entspannte Dehnung zu üben. So richtig gut hat allerdings die Thai-Massage gewirkt. Man braucht einfach verdammt viel Druck in der Entspannung, um die Stellen wirklich weich zu kriegen. Das bekommt man selbst kaum hin.

    Bälle

    Als weitere Möglichkeit setze ich Jonglierbälle ein. Ich habe bisher immer nur einen benutzt, um die besonders schlimmen Punkte zu bearbeiten, mittlerweile lege ich mich auf mehrere gleichzeitig, was einen viel besseren Effekt hat. Ich brauche allerdings mal wieder neue, härtere Bälle.

    Der Rücken ist wieder besser und die Beweglichkeit insgesamt durch Massage und Yin Yoga deutlich erhöht.

  • Fünfundfünzig

    Man ist nicht so alt, wie man sich fühlt, man ist so alt, wie man alt ist. Wir messen unsere Zeit in Zahlen und ich lebe jetzt seit fünfundfünfzig Jahren. Die Zeit mag theoretisch relativ sein, aber sie ist doch eine feste Größe und spätestens bei der nächsten Verabredung, zu der man pünktlich sein will, wird sich zeigen, ob man realistisch und praktisch in der Zeit lebt oder nicht. Verhältnismäßig unabhängig davon ist das Gefühl und von vielen Faktoren abhängig ist die gesundheitliche Verfassung.

    Ich hätte gelogen, wenn ich in den Jahren zuvor gesagt hätte, mir würde die Zahl nichts bedeuten. Jetzt aber ist es wahr. Die Qualität des Lebens gewinnt an Bedeutung.

    Ja, es gibt etwas, dass ich mir für das älter werden vornehme: ich will und muss in Bewegung bleiben. Damit meine ich kein Training oder Wettbewerb, keine extrinsischen Motive. Ich muss diesen Körper in Bewegung halten und ihn mit Sauerstoff und Wasser und Nährstoffen versorgen. Das passiert aber nicht mit Astronautennahrung und technischen Hilfsmitteln, sondern mit reiner Lust und Freude, mit sozialverträglichem Hedonismus und Narzissmus, der die Grenze zu unrealistischen Vorstellungen nicht überschreitet, geschweige denn einem Größenwahn unterliegt. Wenn ich mich doll anstrenge, komme ich mit allem vielleicht mal gerade knapp über das Mittelmaß, das ist meine Position in der Welt. Das ist keine quantitative Aussage, sondern eine qualitative. Im letzten Jahr habe ich gemerkt, dass ich mich nicht mehr doll anstrengen muss. Ich bin relativ stabil. Ich habe die Potentiale, die mir wichtig wahren, einigermaßen rausgearbeitet und kann sie beständig weiterführen, ohne dass sie mir abhanden kommen. Ich kann Pizza futtern, Industriezucker zu mir nehmen, Alkohol trinken, im Bett mein Buch lesen, vor dem Rechner zocken oder zum Spaß WordPress-Themes zusammenklöppeln, solange ich dabei und nebenbei immer in Bewegung bleibe.

    Kurz und knapp: Bewegung, viel trinken, viel schlafen. Das ist es, was ich in diesem Alter körperlich brauche.

    Die Tage werden jetzt also wieder länger, ich finde den Zeitpunkt meiner Geburt nicht gerade angenehm, oft ist es bewölkt und dann haben wir noch die kürzeste Sonnenphase. Dieses Jahr hatte ich sehr viel Glück, die Sonne schien, es war keine Wolke am Himmel. Ich hatte Karten für’s Kino reserviert und bin mit der Familie in West Side Story gegangen. Das Remake ist grandios. Seitdem ich tanze, ist West Side Story einer meiner Lieblingsfilme. Die neue Version bringt mehr Romeo und Julia-Elemente rein, was dem Film sehr gut tut. Auch sind wesentliche Elemente deutlich besser rausgearbeitet. Technisch ist er auf dem neuesten Stand, Justin Peck ist der Choreograph der Wahl, die Besetzung gut gewählt. Am Anfang des Films sieht man den Lincoln Center und das New York City Ballet im Aufbau, was ich für eine sehr schönen Einstieg halte, weil der Film eben mehr als nur eine Geschichte erzählt, sondern Teil eines viel größeren kulturellen Zusammenhangs ist.

  • Gehörschutz

    Als ich im Sommer in Hamburg war vertrieb ich mir die Zeit im Saturn. Ich probierte Kopfhörer durch – das mache ich ganz gerne, weil ich viel Musik höre. Ich probierte auch ein Modell mit Geräuschreduzierung, Musik spielte keine. Ich setze sie auf und genoss die Stille, die plötzlich eintrat. Keine vollkommene Stille, aber ein Raum der Ruhe, der die Geräusche von außen dämmt. Die anstrengenden Frequenzen waren beinahe vollkommen abgedämpft. Ich wollte sie gar nicht wieder absetzen.

    Seit einiger Zeit bin ich immer geräuschempfindlicher geworden. Ob das an mir oder an den Geräuschen liegt, weiß ich nicht, was ich weiß ist, dass mich Geräusche unangenehm und unnötig berühren. Ich habe verschieden Techniken versucht, um damit umzugehen, Meditation, Konzentration und andere Formen des Ausblendens. Ich habe kaputte In-Ear-Kopfhörer vom Kabel geschnitten und bin damit rumgelaufen, um die Geräusche zu reduzieren, aber etwas im Ohr zu haben, finde ich auf Dauer unangenehm. Ich schlafe auch nur ungerne und zur Not mit Ohrstöpseln.

    Ich wollte die Kopfhörer gar nicht wieder absetzen, merkte mir das Modell und kaute mir umgehend originalverpackte über Ebay für ein Drittel des Preises. Sie sind ja doch verhältnismäßig teuer und klingen bescheiden, für ein paar Euro mehr bekommt man richtig gute mit Kabel. Man kann sie auch mit Kabel verbinden und dann klingen sie ganz in Ordnung. Ich ziehe Kabel immer vor, wenn es mir auf den Klang ankommt.

    Die Musik spielt aber eine Nebenrolle. Es ist eine erholsame Geräuschreduzierung mit Musikuntermalung. Und für Audiobooks eigenen sie sich sowieso: absolute Stille und nur die vorlesende Stimme. Traumhaft.

    Perfekt wären sie, wenn sie Velour-Ohrpolster anstelle von Plastik hätten. Der Tragekomfort ist viel angenehmer. Ich habe mir deshalb ein paar Socken abgeschnitten, drübergestülpt und ein Loch reingeschnitten, für zuhause.

    Es ist mir ja schon etwas peinlich, damit draußen rumzulaufen, obwohl mich das bei anderen überhaupt nicht stört. An die verstöpselten Ohren hat man sich ja auch bereits gewöhnt. In der Straßenbahn überwiegt der Gewinn der Stille das unangehme Gefühl, damit doof auszusehen.