Monat: Oktober 2020

Bücher, Musik

Depeche Mode

Markus Kavkas Depeche Mode hat mir ein Freund geschenkt. Ich habe viel Depeche Mode gehört und höre sie immer noch, war aber nie ein Fan oder Goth oder war in der Szene. Markus Kavka sehr wohl. Und er ist nicht nur ein kenntnisreicher Fan, sondern auch ein unterhaltsamer, sympathischer Erzähler, der viel erlebt hat und seine Geschichte stark komprimiert in ein kleines Büchlein packt.

Ich habe mir auch das Hörbuch angehört, das er selbst eingelesen hat.

Hinterher musste ich mir natürlich die komplette Diskografie der Studioalben (ohne Bonusmaterial) in eine Playlist packen, die vierzehn Stunden lang ist.

Das Schöne an Kavkas Büchlein (gesprochen klingt das natürlich sehr lustig) ist, dass es eine Autobiografie ist, die er mit viel Selbstironie erzählt. Dabei geht es nicht nur um die Musik, sondern auch um die persönliche Beziehung zur Band. So bekommt das Ganze noch mal eine ganz andere Dimension. Deshalb habe ich mich auch nie als Fan von jemandem bezeichnet, weil ich immer nur Hörer war, auch wenn ich Bootlegs sammelte und auf Konzerte ging, Symbole und Logos trug.

Man muss also gar nicht allzusehr an Depeche Mode interessiert sein, es reicht, wenn man was mit den 80ern anfangen kann.

Was ich ganz persönlich nie mochte, war die extreme Konzentration auf einen Geschmack und Stil, ich war immer interessiert an Musik als solcher. Natürlich habe ich auch meine Werte, Urteile und meinen Geschmack, aber das ist stimmungsabhängig und sehr offen und das möchte ich mir auch beibehalten.

Kavka gibt seine ganz naive Sicht ganz offen und ehrlich wieder, die eben nur einen Teil der Musik akzeptierte und alles andere doof fand. Mehr als Biografie, Geschichten über die Goth-Szene-Geschichten und Informationen über Depeche Mode darf man natürlich nicht erwarten. Es ist ein kleines Büchlein, das viel Spaß macht und genug Stoff für ein viel dickeres Buch bietet.

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Musik

Musik im Oktober

Die Liste aus dem Jahr 1993 geht mir immer noch nach. Nicht nur die Liste, sondern eben auch, wie intensiv ich die Ereignisse in meinem Leben wahrgenommen habe. Ich habe den Verlust der intensiven Wahrnehmung schon lange bemerkt. Einerseits hat es den Vorteil, dass ich nicht ständig überwältigt bin, andererseits ist das Leben dadurch weniger farbenfroh und oft erlebe ich tolle Ereignisse nicht mit der Intensität, wie ich es mir wünschen würde. Dementsprechend kann ich viele Ereignisse dadurch auch nicht zeitlich einordnen, was sehr unbefriedigend ist, weil das Leben sich nur noch anfühlt, wie eine große, waberne Wolke ohne Struktur.

Musik hat mein Leben immer begleitet und ich kann anhand der Musik Erlebnisse sowohl nachempfinden als auch zeitlich einordnen.

Jetzt ist Musik einfach immer da. Und die letzten Jahre habe ich immer nur ihren tänzerischen Wert betrachtet und dementsprechend Musik gehört. Das ist für den Moment des Tanzens großartig und geradezu euphorisch, aber Tanz vergeht wie ein Rausch. Der Vorteil dabei ist, dass man hinterher keinen dicken Kopf hat, sondern körperlich fitter ist als vorher.

Mir ist über die Jahre Musik als strukturiendes Element abhanden gekommen und eben auch die unterschiedlichen Gefühle, die ich mit Musik verbinden kann.

Ich würde gerne wieder mehr mit Musik verbinden und mit ihr die Zeit füllen, die Momente beleben, deshalb habe ein bisschen bei Bandcamp gestöbert und mir ein paar Alben gekauft bzw. für später gespeichert und in eine Playlist geladen.

Das ist meine aktuelle Liste, die diesen Herbst begleiten wird.

  • El Tee – Everything Is Fine
  • Scott Matthew – Adorned
  • Seer Believer – Bent
  • Ranges – Babel
  • Mary Lattimore – Silver Ladders
  • Pillow Queens – In Waiting
  • Angel Olsen – All Mirrors
  • Julianna Barwick – Healing Is A Miracle
  • Khruangbin – Mordechai
  • Shamir – Shamir
  • Mourn – Self Worth

Musik als Lebensgefühl.

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Musik

Gitarre lernen

Mit siebzehn habe ich Gitarrenunterricht bei einem Freund genommen, der gerne rockte und Soli spielte. Ich lernte, dass es Skalen gab und brachte mir darüber ein bisschen was bei. Allerdings sehr reduziert und nur mit einem Bruchteil von dem, was ich an Wissen gebraucht hätte. Ich hatte einfach nie Lust, Theorie zu lernen, ich wollte spielen, was sich gut anhört.

Im Studium wohnte ich mit einem Jazzmusiker zusammen, der mir wieder versuchte, Skalen und Noten beizubringen. Eigentlich war ich sehr motiviert, aber nicht so, dass ich autodidaktisch weitergekommen wäre.

Als ich dann einen Computer hatte, zeichnete ich mir damit die Töne auf dem Griffbrett auf ein Blatt, ich wollte endlich Kenntnis über mein Griffbrett erlangen. Ich wusste nur nie, wie ich das, was ich auf dem Papier sehe, in meinen Kopf und in die Finger bekommen soll.

Den Zettel habe ich in einer Klarsichthülle seit zwanzig Jahren aufbewahrt. Ich habe ihn jetzt endlich eingescannt und kann darin jetzt ein wenig arbeiten. Ich könnte es auch zwanzig mal ausdrucken und darin rummalen. Als Vorlage ist es jedenfalls Gold wert.

Mein Ziel ist es, Rockabilly zu spielen, und das ist extrem anspruchsvoll, wenn man es richtig spielen will, und ein sehr hoch gestecktes Ziel – vor allem, weil ich ganz von vorne anfangen muss, bei den Skalen, den Tönen, der Theorie.

Ich habe einen Gitarristen gefunden, der sehr anschaulich und strukturiert in das Thema einführt und begleitet. Über Patreon erhält man für $11.67 pro Monat Zugang zu allen Inhalten, Videos und PDFs.

https://www.scottpauljohnson.com/

Der Mann ist genial.

Ich werde also erst einmal ein wenig beschäftigt sein, um wirklich sicher in der Theorie zu werden.

Und dann kommt Brian Setzer ins Spiel.

Brian Setzer ist Maßstab für mich. Außerdem muss ich mich mit der Technik von Cliff Gallup und James Burton beschäftigen. Hier ist eine Liste der Rockabilly Hall of Fame, falls mir mal die Vorbilder ausgehen.

Brian Setzer hat selbst Instruction Videos erstellt, in denen er in die Technik einführt. Brian Setzer himself als Gitarrenlehrer für vier Dollar das Video.

Aber das kommt viel, viel, viel später. Jetzt erst einmal heißt es Grundlagen lernen. Für das Tanzen habe ich auch nur fünf Jahre gebraucht, bis ich die Grundlagen einigermaßen drin hatte, zweimal die Woche Unterricht, Workshops, Bücher, Videos, jeden Tag üben.

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Gesundheit

Training nach Maß

Ich hatte nie viel Muskelmasse in Armen und Schultern. Mit zwanzig begann ich, ein wenig Sport zu treiben und kaufte mir Hanteln. Muskeln bekam ich trotzdem wenig und als ich später Kampfsport machte, hatte ich dann auch die Nase voll, mich mit anderen körperlich messen zu müssen und kein Land zu sehen.

Vor ein paar Jahren versuchte ich es mit Proteinen in Pulverform und klagte dem Proteinpulverfachverkäufer mein Leid. Er sagte, es sei eben auch genetisch bedingt, wie viel Muskelmasse man aufbaut. Und die Ernährung in der Jugend und wie viel Sport man getrieben hat, spielen eine Rolle.

Es gibt aber inzwischen aus den Erkenntnissen der Sportwissenschaft ein paar Regeln für den Muskelaufbau. In Kurzform sind es fünf Punkte:

  • Intensität: Man trainiert unterhalb seiner Kraftfähigkeit. Bei mir sind das 20 Kilo für die Arme.
  • Wiederholungen: Hier sind die Zahlen nicht eindeutig, empfohlen sind etwa 4 Sätze mit etwa 10-15 Wiederholungen.
  • Tempo: 3 bis 4 Sekunden Widerstand.
  • Pausen: 60 bis 120 Sekunden Pause nach jedem Satz.
  • Häufigkeit: 3 bis 6 mal in der Woche, 30 bis 60 Minuten.

Im Moment halte ich mich an die Regeln und gehe zwei Mal die Woche vor der Arbeit ins Fitnessstudio an die Geräte.

Proteine und Kohlenhydrate esse ich nach dem Training. Der Körper baut Muskeln in der Pause nach dem Training auf.

Ich trainiere erst seit einem Monat, ich merke aber jetzt schon Veränderungen. Ich brauche Kraft in den Armen und Schultern für’s Tanzen. Vor allem aber macht mir eine Verspannung in der linken Schulter zu schaffen.

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Musik

1993

Die Neunziger galten für mich musikalisch eher als eintöniges Jahrzehnt. Außer Electronic in all seinen Formen ist nichts entstanden, was mich sonst berührt oder interessiert hätte. Beat, Sounds, Loops.

Arcade Fire war die erste Band, die ich nach den 90ern ernsthaft gehört habe. Davor waren es vor allem DJ-Producer und Sound-Frickler. Placebo gab es dazwischen noch für mich. Und Sigur Rós und Kings of Convenience, alles eher nett und verträumt und etwas sentimental. Um die Nuller herum begann ich, die 80er wieder herauszuholen und zu hören, einfach auch aus dem Bedürnis heraus, wieder richtige Songs zu hören. Ich bemerkte eine Art Sehnsucht.

Gestern war ich auf der Suche nach einem alten Album und rief mir alle 1993 veröffentlichten Alben auf. Alleine im Jahr 1993 wurden neben bekannten großartigen Alben viele meiner persönlichen Lieblingsalben veröffentlicht.

Es fühlt sich so an, als seien diese Alben in einem Zeitraum von zehn Jahren erschienen.

  • Bjork – Debut
  • Tindersticks – Tindersticks
  • Suede – Suede
  • Blur – Modern Life Is Rubbish
  • Verve – A Storm In Heaven
  • Slowdive – Souvlaki
  • Radiohead – Pablo Honey
  • Nirvana – In Utero
  • Smashing Pumpkins – Siamese Dream
  • The Breeders – The Last Splash
  • Belly – Star
  • Mazzy Star – So Tonight That I Might See
  • Orbital – Untitled
  • Depeche Mode – Songs Of Faith And Devotion
  • New Order – Republic
  • Pet Shop Boys – Very
  • James – Laid
  • PJ Harvey – Rid Of Me
  • Soon E MC ‎– Atout … Point De Vue
  • Snoop Doggy Dogg – Doggystyle
  • Lenny Kravitz – Are You Gonna Go My Way
  • Guru – Jazzmatazz Volume 1
  • Red House Painters – Red House Painters
  • The The – Dusk
  • Die Fantastischen Vier – Die 4. Dimension
  • Wu-Tang Clan – Enter the Wu-Tang (36 Chambers)
  • Cypress Hill – Black Sunday
  • U2 – Zooropa
  • Felix – #1

Alleine diese Alben reichen, um glücklich und zufrieden durch die Neunziger zu kommen. Man hätte hier einfach aufhören können.

Und auch mein Lieblingsparfüm ist in diesem Jahr erschienen: Background von Jil Sander.

Es liegt also nur an mir, wie und ob ich Details und Momente wahrnehme und ob es für mich ein Erlebnis ist oder nicht. Und das war immer verbunden mit Musik.

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Musik

Gitarrenliebe

Letzten Sommer erinnerte ich mich an meine Modphase in meiner Jugend und hörte mir alten 60s-Garagen-Beat an. Ich hatte wahnsinnige Lust, wieder E-Gitarre zu spielen, hatte aber weder Geld noch ein Idee, was für eine es werden soll. Ich wollte einfach nur rocken, dreckig, roh, unverzerrt.

Als der Corona-Ausbruch kam, fingen Musiker an, vom Wohnzimmer aus Musik zu machen und zu posten. Ich auch, ich holte meine Gitarre raus und spielte Coversongs, erst auf Facebook – wo ich neben meinen Tanz-Kontakten mittlerweile auch die Musiker-Freunde hatte – dann auf Youtube weil es die einzige Möglichkeit war, Videos vom Smartphone aus vernünftig zu schneiden und hochzuladen.

Meine alte Band traf ich über Zoom und die alten Songs wurden als Wohnzimmerkonzert übertragen. Ich traf mich regelmäßig mit einem Freund, der gerade sein Album rausbrachte, einem befreundeten Bassisten, dessen Lockdown-Mähne ich fotografierte und dokumentierte, traf mich mit einem Freund, der Schlagzeug spielt und dem Sänger meiner damaligen Band.

Ich merkte, wie sehr mir Musik machen und Singen gefehlt haben. Ein Freund riet mir zur Telecaster, ich recherchierte im Urlaub auf den Smartphone, war überzeugt von der Idee und entschied mich für eine preiswerte Squier, die man schon für zweihundert Euro bekommt.

Als ich dann in Hamburg war, fuhr ich zum Schallloch, meinem alten, geliebten Gitarrenladen am Ende des Karoviertels. Es wurde dann doch keine Squier, sondern (viel besser!) eine Blade Telecaster T1 mit 3-Tone Sunburst und Rosewood Neck, wunderschön und wie für mich geschaffen.

Ich musste mich langsam an die Gitarre herantasten und habe vor, Rockabilly-Stücke zu lernen. Das bedeutet aber auch, dass ich mir dieses Mal wirklich Skalen und Akkordaufbau und Kenntnis über die Töne auf der Gitarre anlernen muss. Ich muss die Licks blind können und wissen, was ich da spiele, um wirklich frei und selbstständig spielen zu können. Also eigentlich genau wie beim Tanzen.

Es ging dann aber doch mit mir durch und ich schraddelte erst einmal ein paar Songs durch, wie mir danach war. Rhythmus kann ich ja. Ich nahm es auf Video auf und lud es auf meinen Kanal. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, es macht wahnsinnig Spaß, meine dreckige Seite kommt zum Vorschein und der Sound ist gnadenlos gut.

Herrlich, das habe ich wirklich gebraucht.

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Schreiben

Du hattest da doch letztens was erzählt …

Ich werde jetzt nichts von einem Neuanfang schreiben. Und ich werde auch nichts von einem Blog erzählen, denn eigentlich schreibe ich die ganze Zeit und man müsste alle handschriftlichen Notizen und getippten Einträge zusammennehmen und hätte dann meine niedergeschriebenen Gedanken, mehr oder weniger geordnet und nachvollziehbar. Es wäre alles andere als ein Chaos, man würde wurde nur keine Ordnung oder Struktur erkennen (kleiner Scherz).

Ein Blog ist es, weil hier eine Blogsoftware läuft, und das ist jetzt wieder WordPress, weil ich mit Bludit doch nicht klar kam. Ich kenne mich mit WordPress einfach besser aus.

Und das zukünftige, neue Standard-Theme sieht schon mal vielversprechend aus. Das letzte wirklich gute war Twenty Twelve.

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