Bücher

Ich habe seit langer Zeit mal wieder Bücher durchgelesen. Es liegt daran, dass sie nicht sehr dick waren und es sich um Sachbücher handelte. Das Buch über den Schlaf habe ich nicht weiter gelesen. So genau interessierte es ich dann doch nicht, ob Sportler nach sieben Stunden Schlaf fünf Zentimeter höher springen als nach vier Stunden. 

Hier die durchgelesenen Bücher in Kürze:

Der Krake, das Meer und die tiefen Ursprünge des Bewusstseins

von Peter Godfrey-Smith

Ich habe sehr viel gelernt, über Kraken, die Evolution des Denkens und über das Altern. Es ist zudem sehr anregend, sich in die Beschaffenheit der Kraken hineinzudenken. Seit Lems Solaris wurde ich nicht mehr derart herausgefordert. Es ist für mich absolut nachvollziehbar, weshalb Menschen versuchen, mit Kraken zu kommunizieren und sie erforschen wollen. Großartige Begegnung der dritten Art. Nichts ist für mich anregender als das Befremden des Bekannten in ästhetisch ansprechender Form.

Nähe

von Giovanni Frazzetto

Das Buch ist in mehreren Geschichten unterteilt, in denen Menschen unterschiedliche Arten von Liebesbeziehungen eingehen. Die Art der Beziehungen wird aus psychologischer und neurobiologischer Sicht erklärt. Die Herangehensweise ist außergewöhnlich und könnte unterhaltsam sein, wenn die Geschichten funktionieren würden. Tun sie bei mir aber nicht, weil sie furchtbar klischeehaft wirken. Würde ich sowas als Film sehen, würde ich sofort wegzappen oder mir aufgrund der Beschreibung gar nicht erst ansehen. Das Charakteristische der Beziehungen zu beschreiben, hätte mir vollkommen gereicht. Es geht in dem Buch zwar auch um Nähe, aber doch aus der Perspektive von Beziehungen. Frazzetto tänzelt um das Thema herum und wirkt so als wolle er sich dem eigentlichen Phänomen nicht nähern. Sobald er sich einem Phänomen nähert, schwenkt er kurz und knapp zur Wissenschaft, die dem eigentlichen Phänomen nicht so richtig auf die Spur kommt. Pflückt man das Buch wieder auseinander, bleiben Geschichten, die überhaupt nicht mein Stil waren und wissenschaftliche Aussagen, die ich dünn fand und überhaupt nicht neu oder überraschend. Die Technik der Kombination funktioniert für mich nicht. Das ist schade, denn die Gedankengänge sind sehr gut. Das Buch hätte mir im Stil von School of Life sehr gut gefallen.

Das entfesselte Jahrzehnt

von Jens Balzer

Ich habe die 70er als Kind erlebt, die 80er als Jugendlicher. Ich weiß wenig über die Zeit, habe sie aber als Erlebnis präsent. Ich habe durch über das Buch viel Neues erfahren und kann die Verbindungen und Gedankengänge, die Balzer knüpft, sehr gut nachvollziehen. Ich habe die gleiche Begeisterung für Pop springe genau so gerne gedanklich in der Gegend herum und versuche daraus Zusammenhänge zu erkennen. Das Buch hat bei mir offene Türen eingerannt und sein Wissen hat meine Neugier mehr als befriedigt. Ich fand das Buch großartig, was an mir liegt. Und natürlich an ihm.

Twen

Von der Zeitschrift Twen hatte ich nur gehört beziehungsweise gelesen. Ihre gestalterische und typografische Qualität gilt als besonderes Beispiel für ein funktionierendes Raster. Ihre inhaltliche Ausrichtung ist ein anderes Thema.

Von sexueller Offenheit und Aufklärung wechselte sie Ende der 60er offensichtlich zu reinem Softporno. Zurück zur Gestaltung. Ich habe mir ein Heft aus dem Jahr 1963 gekauft. Ich bin selbst erstaunt, was für ein fremdartiges Objekt ich in den Händen halte. Sie ist groß wie eine Zeitung. Ebenso merkwürdig ist der Stil der Texte. Ich lese journalistische Texte aus der Zeit nur über Spiegel-Online, wo man ja noch einen gehobenen Stil pflegt. Diese Zeitschrift ist so fremd, dass ich wohl etwas länger brauchen werde, bis ich mir ein Bild von ihr gemacht habe. Was jedoch gleich ist Auge fällt, ist die Qualität des Rasters, der freie Umgang mit Typografie und die gesamte grafische Qualität durch hohe Schwarz-Weiß-Kontraste.

Der Blickwinkel, aus dem ich Twen betrachte, ist vor allem der einer uniformen Tyografie und Gestaltung digitaler Formate. Alles drängt auf schneller Informationsverarbeitung, so dass Twen wie ein Kunstobjekt aus einer anderen Welt erscheint. Jedes Mal, wenn ich in ihr blätter, entdecke ich Neues. Erstaunlich daran ist, dass ich ja mit Gestaltungskonzepten aufgewachsen bin, die noch ähnlich waren und die man sich vollkommen abgewöhnt hat. Es hat ein Modernisierungsprozess stattgefunden, den ich selbst erlebt und mitgetragen habe. Einzig Spex hat eine ähnliche Qualität gezeigt. Ich interessiere mich nicht mehr so für die Texte in Spex, deshalb kaufe ich sie schon länger nicht mehr, jetzt bin ich Abonnent ihres ausschließlichen, digitalen Formates, das leider nicht sehr gut ist.

Was an Twen im Unterschied zu Webdesign auffällt, ist die Möglichkeit, jede Seite anders zu gestalten. Jeder Artikel ist ein eigenes kleines Gestaltungswerk. Das könnte nervig sein, ist es aber nicht, weil es rein über hochkontrastiges Schwarz-Weiß geschieht. Die weniges Farbfotos sind spärlich eingesetzt, nur für ein Artikel über eine junge Frau wird Farbe eingesetzt. Der Stil und die Art der Darstellung von Frauen ist unerträglich. Man muss schon genau wissen, warum sich eine Twen kauft und aufschlägt.

Ich lese gar keine gedruckten Magazine oder Zeitschriften mehr und gestalte auch selbst nur noch digital für mich und nur zum Spaß. Mit Webfonts und CSS kann viel anstellen, aber jede Automatisierung fordert Vereinheitlichung oder ich muss vorher wissen, was ich tue und kann es nicht wie im Baukastensystem frei gestalten. Das finde ich unbefriedigend und der Spaß geht dabei verloren. Ich bin ein bisschen müde geworden, Templates und Layouts begeistern mich nicht mehr. Aus einem ähnlichen Gefühl entstand 2013 neocities.org. Für dieses Blog versuche ich, wieder etwas mehr Spaß an der Gestaltung zu gewinnen.

Morgenmuffel

Ich komme morgens sehr gut aus dem Bett, nach einer Stunde Lesen und einem Kaffee. Den Kaffee stark und schwarz, die Lektüre in kleine Portionen und unterhaltsam. Geht mir noch ein guter Gedanke im Kopf rum, schreibe ich ihn auf. Manchmal entsteht daraus ein ganzer Text. Danach kann ich mich unterhalten. 

Ich kenne viele Menschen, die ihre Zeit morgens brauchen. Als ich noch in WGs wohnte, nannte man uns Morgenmuffel. Heute Morgen kam mir das Wort in den Sinn und mir fiel auf, dass ich es schon lange nicht mehr gehört habe. Das würde man heute auch als etwas unangemessen unverschämt halten. Muffel kommt von murren und im Gesichtsausdruck zeigt es sich durch heruntergezogene Mundwinkel. Ob meine Mundwinkel morgens herunterhängen, habe ich nie geprüft, es fühlt sich eher so an, als müsse es sich erst vollständig entfalten. Viel wichtiger ist die Frage, ob man in der Lage ist, eine Kaffeemaschine zu bedienen.

Beim Zusammenleben kann das zum Problem werden, wenn man nicht freundlich und angemessen kommuniziert. Ich habe aber den Eindruck, dass das zunehmend akzeptiert wird, weil es nicht mehr den Stellenwert wie früher hat. Fröhlich flötende Menschen wirken ebenso unangemessen.

Ich habe das Wort Morgenmuffel auch lange nicht mehr gehört und mich erstaunt immer wieder, wie plastisch und drastisch die Menschen sich gegenseitig bezeichnet haben. Heute sagt man „schlecht drauf“, schlecht drauf sein kommt meines Wissens aus der Drogenkultur. Der Standard und Anspruch ist jedoch immer noch derselbe, nämlich möglichst schnell fit und aktionsreich den Tag zu beginnen, möglichst direkt mit dem Aufstehen. So sind die ersten Treffer bei Google auch die üblichen 10 Tipps gegen Morgenmüdigkeit, ganz in alter Tradition der Zeitschriften, die zur Selbstoptimierung anregen.

Mit der Zeit habe ich gelernt, meinen Motor langsam hochzufahren, indem ich weiß, wie und wann ich einen Gang höher schalten muss und ich kenne die Art des Weges, um in Fahrt zu kommen. Das muss jeder für sich selbst rausfinden. Tablet, Smartphone, Bewegung und Kaffeekultur sind jedenfalls sehr hilfreich.

Es gibt genetisch bedingte Nacht- und Tagmenschen. Nachtmenschen haben bei unserer Lebensweise einen Nachteil. Für alle Menschen gilt: das Gehirn im Schlaf durchläuft aktiv Prozesse und braucht dafür acht Stunden. Nach einer sechsstündigen Schlafphase kann man aufwachen, braucht dann aber einen Mittagsschlaf. Schlaf nachholen kann man nicht. Wer zu wenig schläft, hat in etwa die gleiche Gehirnleistung wie unter Alkoholeinfluss. (Quelle: Walker, Das große Buch vom Schlaf).

GAGA

Am Wochenende habe ich GAGA-Unterricht genommen. GAGA wurde von Ohad Naharin für das Batsheva Dance Theater entwickelt. Manche Choreografen entwickeln eine spezielle Unterrichtsform, die die Tänzer auf die Art des Tanzes vorbereiten, die die Choreografen im Sinn haben. Chereografieren heißt nicht nur, bestehende Bewegungs-Muster aneinanderzureihen, sondern auch eigene Ideen zu entwickeln.

Der GAGA-Unterricht geht eine Stunde, während der man sich ständig bewegt. Beobachten oder still stehen bleiben ist nicht erlaubt, es gibt auch keine Spiegel. Im GAGA wird nicht beurteilt oder analysiert. Die Musik ist unterschiedlich, jede Art von Musik ist prinzipell geeignet, ebenso kann jeder an einer GAGA-Stunde teilnehmen.

Im GAGA arbeitet man mit einem besonderen Vokabular und Bildern. Die fantasievolle, bewegte Bildsprache ist es, die mir ein Mittel an die Hand gegeben hat, mit dem ich sehr gut weiterarbeiten kann. Man arbeitet man mit Spannung und Entspannung, gegensätzlichen Assoziationspaaren, Humor. Andrea Martini hat ein sehr gutes Gespür und eine sehr gute fantasievolle, ausdrucksstarke Bild-Sprache. Die Aufteilung des Körpers in Elektrizität (Nerven), Fleisch (Muskeln) und Knochen geben einerseits wieder, was der Körper physikalisch ist und zugleich, wie man ihn erlebt und welche Möglichkeiten man damit hat. Der Begriff Elektrizität ermögliche viele Formen von Bewegung, ebenso steckt im Wort Fleisch mehr verfügbare Masse als in dem Wort Muskel, mit dem immer eine gewisse Anspannung assoziiert. Es geht nicht um biologische Korrektheit, sondern darum die Fantasie anzuregen, damit man einen Gefühl für den Körper bekommt (sensation of the body). Denn das ist das Ziel von GAGA und ich kenne keine Übungsform, die so ernsthaft und intensiv damit arbeitet.

Die Idee, Bilder und Assoziationen entsprechend dem Körpergefühl anzupassen und darüber eine eigene Sprache zu entwickeln, ist eine der besten Ideen, die man im zeitgenössichen Tanz haben kann. Ballett hat auch seine eigene ganz besondere Sprache und für die unterschiedlichen Bewegungen Wortbilder kreiert. Das ist eine der Aufgaben von Tanz-Lehrern und -Unterricht.

Zwei Stunden haben mir einen kleinen Einblick gegeben, aber auch genug Vokabular und Bilder, um mir selbst eine kurze Einheit auszudenken. Diese kann ich jeden Tag genau so üben, wie ich sonst meine Übungen zuhause gestalte.

Es gibt mittlerweile zwei DVDs zu den Werken von Ohad Naharin, Mr. GAGA und The Art Of Ohad Naharin. Zwei seiner Schüler sind selbst bekannte Choreographen, von denen ich letztes Jahr Stücke gesehen habe: Sharon Eyal und Hofesh Schechter.

Hier ist noch eine gute Beschreibung einer GAGA-Lehrerin.

Schwarze Löcher

Das Bild des Schwarzen Lochs ging um die Welt und mit ihm die Artikel und Videos, die erklärten, was Schwarze Löcher sind und wie man ein Bild von ihnen macht. Ich jedoch hing noch an der Frage, wie es überhaupt solch ein Objekt wie ein Schwarzes Loch geben kann. Ein Loch existiert für mich auf einer 2-dimensionalen Fläche, ein Loch in einem dreidimensionalen Objekt kann ich mir nicht vorstellen.

Ein Schwarzes Loch hat einen zweidimensionalen Ereignishorizont in einem dreidimensionalem Universum. Es ist also kein Loch, sondern kugelförmig. Was in dieser Kugel ist, kann man nur mathematisch und physikalisch beschreiben, aber man kann es nicht sehen und sich auch nicht vorstellen. Es ist vollkommen dunkel, und man kann nur vermuten, wie sich Objekte darin verhalten. Mir die Form eines Schwarzen Lochs vorzustellen, bringt mich an die Grenze meiner Vorstellungskraft, weil es keine geeignete Analogie gibt. Ohne Analogie kann ich nicht denken. Sich ein Schwarzes Loch vorzustellen ist ein Versuch, einigermaßen passende, aber unzusammenhängende Assoziationen zu verknüpfen. Größenverhältnisse und Vorstellungen sind gigantisch verzerrt.

Man geht davon aus, dass im Innern eines Schwarzen Lochs die Gravitation so stark ist, dass die Raumzeit unendlich ist. Das ist ein Problem, denn eine Unendlichkeit im Innern einer Kugel ist nicht vorstellbar oder mit Worten anders beschreibbar. In der Darstellung sieht man trichterförmige Gebilde, aber das zeigt ja nur einen Teil des Phänomens, nicht das Objekt an sich.

„Aber mit den Unendlichkeiten ist das so eine Sache. In der Theorie ist das schön und gut; in der Realität eher weniger.“ schreibt Florian Freistätter.

Eine Kugel mit einem unendlichen Innern. Wäre ich ein Zen-Lehrer, würde ich meinen Schülern die Aufgabe geben, sich das vorzustellen. Sie wären ihr Leben lang damit beschäftigt.

Blogs

Meine Blogs fangen immer mit einem Ein­trag über Blogs an. Mit jedem Neu­start erkläre ich, was ich tue und warum ich es tue. Blog­artikel gehören zu meinen meist­gelesen Texten. Ich schreibe täglich und experi­mentiere mit den gestalterischen Möglichkeiten. Jeder meiner Blogs ist nur eine Moment­aufnahme. Allen gemeinsam ist ihre Bedeu­tung für mich. Sie sind ein Reflexions­medium, über das ich Vorstellungen, Meinungen, Wissen und Gedanken erkenne. 

Blogs und Einträge sind wie ein Zoo, bei dem jemand die Türen zu den Gehegen geöffnet hat. Gerne hätte ich manchmal ein kusche­liges, nettes, bestän­diges Haus­tier, aber dann wieder juckt mich der Reiz der Exotik und ich möchte mir ein Chamäleon halten.

Es gibt in meinen Blogs so etwas wie einen roten Faden, der von meiner Befind­lichkeit bis hin zu verschiedenen Formen der Kunst, Kultur, Psycho­logie und in Ansätzen Philo­sophie führt. Vom Persön­lichen zum Allgemeinen, vom Allgemeinen zum Persön­lichen. Das Banale ein kleines bisschen tief­gründiger, das Persön­liche in einen etwas größeren Zusammen­hang. Ein Text muss kein großer Wurf sein, er ist das, was man normaler­weise mit Freunden teilt, in einer allgemeine­ren Form.

Vielleicht sind meine Blogs gar nicht geeignet, durch­gelesen zu werden. Vielleicht sind sie nur eine un­bestän­dige Anordnung von Einzel­beiträgen voll­kommen unter­schied­licher Art. Nach etwa zwei Monaten und zwanzig Einträgen wird mir die Sache langweilig, Kategorien stehen, Elemente auch. Blogsoftware langweilt mich irgendwann, oder vielleicht gieße ich meine Ideen auch zu früh in ein Theme. Ich versuche mal, die Sache offen zu halten, indem ich statische Seiten baue. Eine Homepage mit Webseiten.