Ob ich Stress habe, fragt mich der Zahnarzt. Womöglich beiße ich nachts die Zähne zusammen. Ja, sage ich, so diffus, kein Stress, wie man ihn sonst kennt, eher so eine Grund­anspannung, wodurch das Wenige schon zu viel wird.

Ich merke ja selbst, wie wichtig das Runterkommen ist, wenn ich denn mal runterkomme, entspannt und ohne dass mich der nächste Gedanke packt und zur nächsten Spannung drängt.

Meditieren fällt mir schwer und ich habe es nur phasenweise und sehr selten praktiziert, das allerdings seit meinem siebzehnten Lebensjahr. Ich habe also Übung und eigentlich brauche ich mich ja bloß hinsetzen und nichts denken beziehungsweise mich im Nichtsdenken zu üben. Es ist eine Konzentrations­übung, man ist wach und aufmerksam und lässt einerseits zu, was an Gedanken kommt, andererseits fokussiert man die Gedanken wieder auf eine Sache, auf die Atmung, die Haltung, das Nichts.

Ich habe mir Calm installiert und ausprobiert. Es ist ganz nett, sich von einer App führen zu lassen, aber sie ist mir einfach zu teuer und eigentlich ist Meditation ja ganz simple Selbstführung. Alles, was man an Information braucht, steht bei Wikipedia unter dem Begriff Zen.

Also habe ich Calm deinstalliert und Insight Timer installiert. Mehr brauche ich nicht, ich brauche nur Klangschalen­töne in einem beliebigen Intervall. Der Ton bewahrt mich vor dem Wegdriften und gibt mir ein bisschen Halt und Struktur. Es gibt Meditations­praktiken, in denen man sehr lange einfach bloß da sitzt. Ich nehme mir zehn Minuten. Das alleine, regelmäßig über einen langen Zeitraum, würde mir schon reichen. Mit meiner Tanz- und Traings­praxis mache ich das auch so, ich nehme mir kleine Portionen und baue sie in meinen Alltag ein.