Planet der Affen

Als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, war ich noch ziemlich jung und sehr begeistert. Er lief bei uns in einem kleinen Kino zur Nachmittagsvorstellung.

Die Folgefilme habe ich nicht gesehen, nur den zweiten Teil angefangen, die Geschichte war für mich beendet. Das Remake fand ich überflüssig, erst die Pre-Sequels fand ich sehenswert.

Jetzt habe ich das Hörbuch des Originalromans von Pierre Boulle aus dem Jahr 1963 angehört. Die erste Verfilmung lässt leider viel weg, erst das erste Pre-Sequel greift Elemente des Romans wieder auf und schließt wichtige Lücken.

In dem Roman steckt immer noch viel Nachdenkenswertes und Humor.

Das Hörbuch wird von Detlef Bierstedt gelesen und dauert nur fünf Stunden, beides ist sehr angenehm.

System­sprenger

Wie ist es, wenn ein Kind in kein pädagogisches und therapeutisches Konzept passt? Wenn sein Verhalten in kein System passt? Wenn es traumatisiert ist und die Mutter für das Kind nicht da sein kann, weil sie überfordert ist und Angst vor seiner Unberechenbarkeit und Gewalt hat? Wenn es aus Pflegefamilien und Wohngruppen und anderen Einrichtungen rausfliegt?

Letztes Wochenende habe ich Systemsprenger gesehen. Ich wollte nicht diesen Film speziell sehen, sondern nur ins Kino. Ich hatte von dem Film gelesen und fand die Beschreibung interessant.

Der Film war viel besser als ich erwartet habe. Ein solches Thema mit durchweg großartigen Schauspielerinnen und Schauspielern auf diese Weise in einem Film umzusetzen, ist hervorragend gelungen.

Dieses Video erklärt das Verhältnis von Wirklichkeit und Film, denn es ist kein Dokumentarfilm, sondern absichtlich ein Kino-Film. So macht er, eine der Eigenschaften von Film und Medien generell, das Unerträgliche erträglich, oder zumindest verdaubar, so dass man sich mit einem Thema beschäftigen kann, das einen normalerweise an seine Grenzen bringt. Ich habe mich mehrfach wie ein Tintenfisch in meinen Sitz gekräuselt und konnte nicht hinsehen.

Der Film ist zutiefst liebevoll, handwerklich hervorragend gemacht, arbeitet mit einer gewissen Komik („Keine Sorge, das ist Sicherheitsglas“), was ja immer ein guter Weg ist, und er zeigt, was Menschen eben auch sind oder sein können.

Midsommar

Am Samstag habe ich mir Midsommar angesehen. Der Film ist ein Social/Folk-Horrorfilm, mit sehr guten Schauspielern, einem angenehm konzentrierten und langsamen Tempo und gut gemachten expliziten Darstellungen.

Das Thema des sozialen Horrors ist eine Gruppe von Menschen, die für sich in Anspruch nimmt, das Leben und die Welt zu kennen und die in einem geschlossenen, abgeschirmten System mittels Tradition und Rituale lebt. Der Film behandelt Grundthemen gesellschaftlicher und menschlicher Fragen. Auf der anderen Seite steht die mangelnde Freiheit, auf der anderen Seite das Gefühl nach Zugehörigkeit, Geborgenheit und einer Antwort auf die Fragen des Lebens.

Der Horror entsteht dadurch, dass ethische Grenzen, Verhaltensweisen und Regeln überschritten werden.

Alles Weitere wäre zu viel verraten.

Auf Midsommar kam ich durch Ari Aster, der das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat. Von ihm habe ich Hereditary gesehen, den ich schon sehr gut fand. Die Mischung aus außergewöhnlich gutem Schauspiel, Ruhe und den Elementen des Horrors gefällt mir.

Es gibt einen Directors Cut, der 24 Minuten länger geht (171 satt 147 Minuten).