Nach Der Wal und das Ende der Welt musste ich mal wieder ein gutes Buch lesen. Das Parfüm habe ich nach fast dreißig Jahren wieder gelesen.

Der Roman ist Schullektüre geworden, was ich ein bisschen merkwürdig finde, wegen des doch recht intimen, sexuellen Themas. Nicht, dass man es aus der Schule raushalten könnte, aber man braucht doch schon ein bisschen sinnliche und sexuelle Erfahrungen, um dieses Buch überhaupt ernsthaft lesen zu können. Andererseits habe ich in dem Alter nur Bücher gelesen, die meinen Horizont bei weitem überstiegen und Dinge beschrieben, mit denen ich noch keine Erfahrungen gemacht hatte. Schullektüre muss man vielleicht zweimal lesen, vor der Erfahrung und zwanzig Jahre später. Mit siebzehn hatte ich eine vollkommen andere Einstellung zu Dingen als mit fünfundzwanzig oder heute. Manches kommt erst nach und nach und mit der Zeit, Vorstellungen und auch die Wahrnehmung ändern sich.

Das Parfüm ist ein brillianter Roman und immer noch mein Lieblingsbuch. Damals hat es mir die Augen und die Nase geöffnet und mein Denken erweitert. Heute kann ich mich am Schreibstil erfreuen.

Ich habe mir gleich anschließend Literatur besorgt, die ich damals für meine Arbeit verwendet habe. Jetzt kann ich das alles gut noch einmal lesen.