Ich nehme Bild und Ton getrennt voneinander auf. Das Video mit dem Smartphone, den Ton über Mixer am Desktop. Die Länge von beiden ist natürlich unterschiedlich und ich muss sie hinterher synchronisieren.
Hier fängt das Problem an. Mit keinem günstigen Programm, das ich bisher getestet habe, kann ich das ruckelfrei, schnell und sauber erledigen. Ich muss ja bloß Bild und Ton synchronisieren, vorne und hinten sauberschnippeln, abblenden, exportieren.
Jetzt kommt der Knüller: Ich habe ein Programm gefunden, das tatsächlich all das kann. Das Programm heißt VideoPad Video Editor. Mit keinem anderen Programm konnte ich so genau den Ton synchronisieren.
Ich ziehe Videospur und Tonspur ins Programm, zoome die grafische Darstellung des Tons groß und lege sie übereinander.
Die Spuren werden zusammengehalten, wenn ich vorne oder hinten etwas abschneide. Man kann sehr genau und sehr einfach Teile rausschneiden, sogar aus der Tonspur. Das Abblenden lässt sich mit einem Klick erledigen. Anschließend kann man das Video direkt nach Youtube exportieren (das hat bei anderen Programmen nicht funktioniert).
Lieder covern hieß für mich immer, Text, Gesangsmelodie und -Rhythmus und Akkorde auswendig lernen und dann nachspielen. So, wie man das eben macht, wenn man einen Song hört, lernt und nachspielt. So, wie man es auf der Straße oder am Lagerfeuer macht.
Mit meiner E-Gitarre musste technisches Gerät her und nach und nach baute sich das Ganze auf: Kopfhörerverstärker, Mischpult, Gesangsmikrofon, Looper und sogar nachträgliches Hinzufügen von Spuren. Ich nahm nicht mehr live in einem Stück auf, was alleine auch nur schwer umzusetzen ist. Man kann zum Beispiel keine Pausen einbauen. Ich habe viele Tricks und Techniken probiert, um die Originallieder im Hintergrund laufen zu lassen, Texte für mich einzublenden und mich selbst zu begleiten und Instrumente hinzuzufügen. Nichts Großes und Weltbewegendes, aber mein Gehirn war oft genug verknotet und mein Kopf komplett verkabelt.
So langsam verbessere ich die Technik und so langsam gewinnt das Covern an Qualität, weil ich noch genauer am Original lernen kann. Vor allem den Gesang kann ich verbessern, wenn ich meine eigene Stimme exakt über Mikrofon und Kopfhörer höre und gleichzeitig den Originalsong und die Original-Stimme.
Über das Mischpult kann ich den Originalsong einspielen oder aber, ich höre mit einem Ohr das Original mit. So kann ich viel genauer covern, bleibe im Rhythmus und muss nicht den kompletten Song vollständig auswendig können, ich kann also dazu spielen, ohne dass man den Originalsong auf der Aufnahme hört, weil nur ich ihn höre.
So richtig gut funktioniert das mit einem In-Ear-Stöpsel, den man sich in ein Ohr steckt und darüber die ohrumschließenden Kopfhörer. So hat man den vollen Klang zur Kontrolle.
Besonders frei zu spielen gilt eigentlich als Königsdisziplin für mich, aber am Ende ist es egal, ob man Kopfhörer trägt und irgendwo der Text steht. Am Ende zählt der Klang. Ich bin schlechten Playbacks aufgewachsen und enttäuschenden Halbplaybacks. Ich bin mit Samples und technischen Tricks aufgewachsen, so dass man immer unterschieden hat zwischen live und nicht-live, zwischen echt und Studio. Bereits in den Nullern wuchs alles zusammen und in den letzten zehn Jahren haben sich immer mehr Performance-Formate entwickelt. Ich habe alte Kriterien im Kopf, auf die niemand mehr Wert legt. Nur Autotune ist ein richtiger Griff ins Klo und ein echter Beschiss.
Ich habe – nur für private Zwecke – Time after Time gecovert, mit dem Originallied im Ohr und mit Zweitstimme aufgenommen. Es ist mein erstes Cover, das sehr genau und sehr einfach gespielt ist. Ich habe die Spuren einzeln aufgenommen. Ich höre es ausgesprochen gerne und ich bin damit sehr zufrieden, einfach deswegen, weil es sehr sauber ist. So etwas kenne ich gar nicht von mir. Mein erstes sauberes und ehrliches Cover. Das behalte ich privat in einem kleinen Zigarrenkästchen unter dem Bett.
Als ich im Sommer in Hamburg war vertrieb ich mir die Zeit im Saturn. Ich probierte Kopfhörer durch – das mache ich ganz gerne, weil ich viel Musik höre. Ich probierte auch ein Modell mit Geräuschreduzierung, Musik spielte keine. Ich setze sie auf und genoss die Stille, die plötzlich eintrat. Keine vollkommene Stille, aber ein Raum der Ruhe, der die Geräusche von außen dämmt. Die anstrengenden Frequenzen waren beinahe vollkommen abgedämpft. Ich wollte sie gar nicht wieder absetzen.
Seit einiger Zeit bin ich immer geräuschempfindlicher geworden. Ob das an mir oder an den Geräuschen liegt, weiß ich nicht, was ich weiß ist, dass mich Geräusche unangenehm und unnötig berühren. Ich habe verschieden Techniken versucht, um damit umzugehen, Meditation, Konzentration und andere Formen des Ausblendens. Ich habe kaputte In-Ear-Kopfhörer vom Kabel geschnitten und bin damit rumgelaufen, um die Geräusche zu reduzieren, aber etwas im Ohr zu haben, finde ich auf Dauer unangenehm. Ich schlafe auch nur ungerne und zur Not mit Ohrstöpseln.
Ich wollte die Kopfhörer gar nicht wieder absetzen, merkte mir das Modell und kaute mir umgehend originalverpackte über Ebay für ein Drittel des Preises. Sie sind ja doch verhältnismäßig teuer und klingen bescheiden, für ein paar Euro mehr bekommt man richtig gute mit Kabel. Man kann sie auch mit Kabel verbinden und dann klingen sie ganz in Ordnung. Ich ziehe Kabel immer vor, wenn es mir auf den Klang ankommt.
Die Musik spielt aber eine Nebenrolle. Es ist eine erholsame Geräuschreduzierung mit Musikuntermalung. Und für Audiobooks eigenen sie sich sowieso: absolute Stille und nur die vorlesende Stimme. Traumhaft.
Perfekt wären sie, wenn sie Velour-Ohrpolster anstelle von Plastik hätten. Der Tragekomfort ist viel angenehmer. Ich habe mir deshalb ein paar Socken abgeschnitten, drübergestülpt und ein Loch reingeschnitten, für zuhause.
Es ist mir ja schon etwas peinlich, damit draußen rumzulaufen, obwohl mich das bei anderen überhaupt nicht stört. An die verstöpselten Ohren hat man sich ja auch bereits gewöhnt. In der Straßenbahn überwiegt der Gewinn der Stille das unangehme Gefühl, damit doof auszusehen.
Neben den kompletten Alben, die dieses Jahr rausgekommen sind, gab es ein paar Songs, die ich sehr geliebt habe und eine Musikerin, die ich erwähnen möchte, weil sie mir immer wieder die Tür zum Bluesrock öffnet, was ich sonst eigentlich nie höre.
Sharon van Etten und Angel Olsen – Like I Used To
Von den beiden hätte ich wirklich gerne ein komplettes Album gehabt. Da bin ich wohl kaum der Einzige.
Nothing But Thieves – Impossible (Orchestral Version – Live at Abbey Road)
Mit Sicherheit mein größtes Highlight dieses Jahr.
Gang Of Youths – The Angel Of 8th Ave
Von Gang of Youths hätte es jetzt irgend ein Song aus diesem Jahr sein können. Das Album kommt erst noch. In die Liste meiner Lieblingsbands aufgenommen.
Samantha Fish
Samantha Fish hat dieses Jahr ein Album veröffentlicht, aber ich höre sie doch eher selten. Ab und zu überkommt es mich, allerdings freue ich mich dann um so mehr. Die Königin des Blues-Rock. Ihretwegen habe ich ziemlich oft Black Sabbath dieses Jahr gehört.
Das ist meine Liste der Alben, die dieses Jahr erschienen sind und die gehört habe (und als was ich sie mir gekauft habe, wenn ich sie gekauft habe):
Danielle Durack – No Place (Digital, Bandcamp)
Low – HEY WHAT (CD)
Lana del Rey – Chemtrails Over The Country Club (Creme Vinyl)
Lana del Rey – Blue Banister (White Vinyl)
For Those I Love – For Those I Love
Remi Wolf – Juno
Remi Wolf – We Love Dogs!
Wolf Alice – Blue Weekend
Saint Etienne – I’ve Been Trying To Tell You
Sam Fender – Seventeen Going Under
The Antlers – Green To Gold (Wishlist ♡)
The Sea at Midnight – The Sea at Midnight (Wishlist ♡)
Aaron and the Lord – Aaron and the Lord (Wishlist ♡)
Snail Mail – Valentine (Wishlist ♡)
Modeselektor – EXTLP
Bartees Strange – Live at Studio 4 (Digital, Bandcamp)
Das Jahr ist zwar noch nicht rum, aber wenn etwas dazu kommen sollte, nehme ich es mit auf.
Ich habe dazu einen kleinen Mix auf Spotify erstellt:
Danielle Durack
Mein Wiedereinstieg in Indie-Rock/Singer-Songwriter/… wieimmermandasnennt. Letzten November habe ich Broken Wings gehört und war spontan begeistert. Es wurde mein erster Song der BringASong-Abende. Auf das Album habe ich mich sehr gefreut, die Freude ist bis heute ungebrochen.
Seit Lust for Live und einem Konzert bin ich ungebrochener Fan. Zwei tolle Alben dieses Jahr. Wenn was Neues rauskommt, kaufe ich es als buntes Vinyl. Thunder ist mein Lieblingssong.
Ich wollt’s nicht mögen, keine Chance. Sie ist toll.
Wolf Alice
Wolf Alice kann ich nicht einordnen. Eine merkwürdige Mischung aus Rock und tragischer Opulenz, alles ein bisschen unvorhersehbar und doch ganz einfach. Weckt allerdings mehr mein Interesse als mein echtes Gefühl.
Saint Etienne
Die gibt es noch. Immer noch pendelnd zwischen Kiffer-Breakbeats und Pop. Auf diesem Album weniger Pop als Soundlandscape. Ein schöner Tripp.
Und so hört sich das an, wenn man Natalie Imbruglias Beauty On The Fire durch Saint Etiennes Schwaden zieht.
Sam Fender
Ich liebe seine Stimme, ich liebe seine Musik. Das Springsteenige in manchen Songs sind die Sahnehauben. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt jemanden so toll fand. Matt Johnson fällt mir da nur ein. Die kann man nicht vergleichen, es ist wohl diese Mischung aus Klugheit, Nachdenklichkeit und ein Portiönchen Wut. Und die Musik natürlich.
The Antlers
Auch The Antlers gibt es noch, durch Zufall wiederentdeckt. Und wie großartig ist das neue Album, unfassbar schön.
Manchmal gehe ich auf Bandcamp und klicke an, was gerade gekauft wird. Es sind spontane Klicks, ein Random-Verfahren meines Unterbewussten (oder Unbewussten, ich verstehe den Unterschied bis heute nicht und eigentlich interessiert es mich auch nicht so). Jedenfalls poppte dieser Song auf, in den ich mich spontan verliebte. The Cure, New Order … 80’s-Wave. Wundervoll retro und tolle Songs. Hat den alten Waver in mir wachgerufen.
https://www.youtube.com/watch?v=md3IJ6FjBmo
Aaron and the Lord
Aaron and the Lord ist die Band von Aaron Perrino – (The Sheila Divine, Dear Leader and No Hope/No Harm) und Steven Lord (The Dirty Bangs). Mike Bethmann von Tugboat Annie und Tanja Donelly (Throwing Muses, Breeders, Belly) singen. Wegen Tanja Donelly kam ich drauf, alles anderen Bands und Musiker kannte bisher nicht, ein schöner Anfang, um weiter zu stöbern. Stupid Game ist ein toller Song. Bei der Gelegenheit eine alte CD von Tugboat Annie gekauft.
Lindsey Jordan halte ich für die beste neue Indie-Rock-Musikerin. Sie hatte Pristine inspiriert durch einen Song von Sonic Youth geschrieben und der Song ist ihr verdammt gut gelungen. Inzwischen sind Snail Mail also nicht mehr neu oder unbekannt und Lindsey Jordan bereits jetzt schon da, wo manch andere hinwollen und nie hinkommen. Eine richtige Offenbarung für mich dieses Jahr.
Modeselektor
Da gibt es nichts zu sagen. Modeselektor kaufe ich blind. Mein Maßstab für anspruchsvolle elektronische Musik.
Bartees Strange
Auch eine spontane Neuentdeckung, die Live-Einspielung finde ich noch besser als die Studio-Version. Schön, dass es sie auch auf Bandcamp gibt. Ich liebe daran einfach alles. Schnell, hart, virtuos, wunderbar. Ich finde es sehr schade, dass ich mir die hübschen, bunten Vinyl-Versionen nicht kaufen kann, weil das Shipping einfach zu teuer ist (teurer als die LP selbst).
Die Mutter meines Freundes wurde 80. Wir haben ein paar Lieder gespielt, im Laufe des Abends dann auch nochmal ein paar Songs aus dem Programm unseres Australien-Neuseeland-Konzerts. Mittlerweile können wir die Songs ja etwas besser und fehlerfreier. Da wir ja nie wirklich Zeit zum Proben haben, ist der Auftritt dann mehr oder weniger spontan und improvisiert.
Es ist auf jeden Fall gut, den ein oder anderen modernen Klassiker zu können. Sachen, die ich eigentlich weniger höre und spiele. Wenn ich ein Lied nicht wirklich mag, ist meine Motivation, den Text zu lernen sehr gering, was die Sache erschwert. Auf der Liste steht: Good Girl Gone Bad von Rihanna (Capo 1, Em, C, D, G, Am). Und Cruel Summer von Taylor Swift sollte ich ernsthaft in mein Repertoir aufnehmen.
Letzten Samstag hatten wir ein kleines Zoom-Konzert für Freunde, Bekannte und Interessierte.
Es lief ganz gut und es hat mir unglaublichen Spaß gemacht, es war das erste Mal nach dreißig Jahren, dass wir wieder gemeinsam live Musik gemacht haben.
Für mich eine absolute Bereicherung, weil ich noch mal ganz anders reinkomme in die Art von Musik und ins Musizieren, vor allem Singen und Bass. Die nächste Anschaffung ist ein Akustik-Bass und ich werde anfangen, ein bisschen E-Piano spielen.
Gehört habe ich von Low vor einiger Zeit, auch kurz reingehört, aber nicht mit dem richtigen Ohr.
Vor einer Woche haben sie ihr dreizehntes Album Hey What veröffentlicht.
BJ Burton hat auch das neue Album produziert. Hey What ist für mich es eines der herausragenden Alben der letzten dreißig Jahre. Und das sage ich eine Woche nach der Veröffentlichung.
Musicradar: „Are there exceptions? For instance, bands you’re highly motivated to work with because of their back catalogue?“
BJ Burton: „Have you heard of the band Low? They’ve never written a bad song. They put out an acoustic album and I had this vision of pushing them to make the most beautiful, distorted, post-apocalyptic record – the sort of thing you’d find 2,000 years ago if you dug the earth up. We made that record and it’s one of the favourite albums I’ve ever made.“
Weil gerade keine Treffen für den Musikaustausch sind, ich aber immer noch fleißig sammel und Playlisten zusammenstelle, poste ich hier ein bisschen Lieblingsmusik. Dann habe ich das auch ein bisschen geordnet.
Youtube hat sich ja als wichtigstes Medium herausgestellt und die Videos und Live-Aufnahmen sind fast genau so wichtig geworden wie die Songs selbst.