Das Parfüm

Nach Der Wal und das Ende der Welt musste ich mal wieder ein gutes Buch lesen. Das Parfüm habe ich nach fast dreißig Jahren wieder gelesen.

Der Roman ist Schullektüre geworden, was ich ein bisschen merkwürdig finde, wegen des doch recht intimen, sexuellen Themas. Nicht, dass man es aus der Schule raushalten könnte, aber man braucht doch schon ein bisschen sinnliche und sexuelle Erfahrungen, um dieses Buch überhaupt ernsthaft lesen zu können. Andererseits habe ich in dem Alter nur Bücher gelesen, die meinen Horizont bei weitem überstiegen und Dinge beschrieben, mit denen ich noch keine Erfahrungen gemacht hatte. Schullektüre muss man vielleicht zweimal lesen, vor der Erfahrung und zwanzig Jahre später. Mit siebzehn hatte ich eine vollkommen andere Einstellung zu Dingen als mit fünfundzwanzig oder heute. Manches kommt erst nach und nach und mit der Zeit, Vorstellungen und auch die Wahrnehmung ändern sich.

Das Parfüm ist ein brillianter Roman und immer noch mein Lieblingsbuch. Damals hat es mir die Augen und die Nase geöffnet und mein Denken erweitert. Heute kann ich mich am Schreibstil erfreuen.

Ich habe mir gleich anschließend Literatur besorgt, die ich damals für meine Arbeit verwendet habe. Jetzt kann ich das alles gut noch einmal lesen.

Bücher

Es ist einerseits dem Urlaub zu verdanken, andererseits meiner Bücherauswahl. Ich habe drei Bücher hintereinander gelesen. Seit dem Sommer war ich mal wieder mit voller Konzentration dabei. Dazwischen habe ich etliche Bücher angefangen und weggelegt. Allerdings waren es auch sehr einfache, spannende Bücher.

Illuminati

von Dan Brown

Ich hatte vor, die Langdon-Serie zu lesen und wollte von vorne anfangen. Ich hatte das Buch vor zehn Jahren gelesen, konnte mich aber kaum noch erinnern. Es fängt sehr spannend an, im Laufe der Zeit wird es flach, enthält ziemlich viel Unsinn und gegen Ende nimmt es dann Fahrt auf, bis das Ende nochmal etwas versöhnt. Leichte, seichte, gute Unterhaltung.

Die rote Katze

von Robert Brack (Virginia Doyle)

Eine dreiteilige Reihe, die ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Sie spielt in Hamburg Anfang letzten Jahrhunderts auf dem Kiez. Ich mochte es sehr, natürlich, weil es Hamburg spielt, aber auch die Figuren und die Orte und die Geschichten. Sehr schön.

Jack und Jill

von Helen Hodgman

Eine Beziehungsgeschichte, die auf dem Land in Australien in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts spielt. Derbe, roh und gewaltig gut. Das Buch kam 1978 raus.

Bildschirm­müde

Ich habe es ja schon angedeutet: Bücher lesen macht für mich mehr und mehr einen Unterschied im Vergleich zum Lesen an einem Bildschirm. Und obwohl die Qualität der Oberfläche und des Textes sowohl bei einem iPad als auch bei einem Kindle (Paperwhite) sehr gut ist, lese ich mit einem Buch anders.

Bin ich erst einmal vertieft, ist es mir egal, womit ich lese, aber im Alltag, wenn ich erschöpft und unkonzentriert bin, brauche ich eine gewisse Zeit, bis ich in einen Text reinkomme, vor allem, wenn er meine volle Aufmerksamkeit braucht.

Ich lese viel am Bildschirm, meist kurze Texte, manchmal lange. Ich habe auch ganze Kapitel auf dem iPhone gelesen, bei Sach- oder Fachbüchern geht das sehr gut. Aber je mehr ich in anspruchsvolle Literatur komme, desto mehr ist die Umgebung des Textes relevant, bis hin zum Raum, in dem ich mich befinde. Bücher sind Teil einer Umgebung, während Bildschirme für mich vollkommen losgelöst existieren. Einerseits sind sie in meinem Leben vollkommen integriert, aber es bleiben Fensterchen, die mit dem Umfeld nichts zu tun haben.

Ich bin gerade dabei, das Lesen wieder auf das Papier zu verlagern, ich habe so viele ungelesene, schöne Bücher.

Das alles kann sich auch wieder ändern und womöglich ist es nur eine temporäre Bildschirmmüdigkeit. Aber der Umgebung wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, ist sicher keine schlechte Entwicklung.

Schermanns Augen

Im Urlaub habe ich mir Bücher gekauft. Eines wurde mir besonders ans Herz gelegt: Schermanns Augen. Ich nahm den Schinken in die Hand und runzelte etwas die Stirn als man mir den Inhalt beschrieb. Mir wurde versichert, dass das ein wirklich gutes Buch sei.

Ja, stimmt natürlich, es ist ein gutes Buch. Und es ist dick und schwer und riecht etwas unangenehm. Manche Pappen riechen so. Ich vermute, es ist irgendein Bindemittel.

Meistens lese ich Ebooks, aber in dieser Buchhandlung habe ich doch wieder Bücher schätzen gelernt und im Urlaub vor allem das Lesen von Büchern. Vielleicht entdecke ich ja gerade wieder meine Liebe zu Objekten, Dingen, Gegenständen. Mir war das in letzter Zeit nicht so wichtig.

Ich quäle mich etwas durch das Buch und ich werde mich weiterquälen, denn schließlich habe ich dafür Geld gezahlt und es liegt schwer und mahnend neben meinem Bett.

Ich kann das Buch nicht mal eben so leicht weglesen. Ein Roman, der in einem russischen Arbeitslager spielt und so prall gefüllt ist, kann man nicht mal eben so weglesen. Jeder Satz liegt einem schwer wie nasser Filz am Körper, die Verhöre sind so überzeugend geschrieben, dass man beim Lesen an Flucht denkt.

Ein Viertel habe ich durch und bis Ende des Jahres will ich es ganz gelesen haben.

Bücher

Ich habe seit langer Zeit mal wieder Bücher durchgelesen. Es liegt daran, dass sie nicht sehr dick waren und es sich um Sachbücher handelte. Das Buch über den Schlaf habe ich nicht weiter gelesen. So genau interessierte es ich dann doch nicht, ob Sportler nach sieben Stunden Schlaf fünf Zentimeter höher springen als nach vier Stunden. 

Hier die durchgelesenen Bücher in Kürze:

Der Krake, das Meer und die tiefen Ursprünge des Bewusstseins

von Peter Godfrey-Smith

Ich habe sehr viel gelernt, über Kraken, die Evolution des Denkens und über das Altern. Es ist zudem sehr anregend, sich in die Beschaffenheit der Kraken hineinzudenken. Seit Lems Solaris wurde ich nicht mehr derart herausgefordert. Es ist für mich absolut nachvollziehbar, weshalb Menschen versuchen, mit Kraken zu kommunizieren und sie erforschen wollen. Großartige Begegnung der dritten Art. Nichts ist für mich anregender als das Befremden des Bekannten in ästhetisch ansprechender Form.

Nähe

von Giovanni Frazzetto

Das Buch ist in mehreren Geschichten unterteilt, in denen Menschen unterschiedliche Arten von Liebesbeziehungen eingehen. Die Art der Beziehungen wird aus psychologischer und neurobiologischer Sicht erklärt. Die Herangehensweise ist außergewöhnlich und könnte unterhaltsam sein, wenn die Geschichten funktionieren würden. Tun sie bei mir aber nicht, weil sie furchtbar klischeehaft wirken. Würde ich sowas als Film sehen, würde ich sofort wegzappen oder mir aufgrund der Beschreibung gar nicht erst ansehen. Das Charakteristische der Beziehungen zu beschreiben, hätte mir vollkommen gereicht. Es geht in dem Buch zwar auch um Nähe, aber doch aus der Perspektive von Beziehungen. Frazzetto tänzelt um das Thema herum und wirkt so als wolle er sich dem eigentlichen Phänomen nicht nähern. Sobald er sich einem Phänomen nähert, schwenkt er kurz und knapp zur Wissenschaft, die dem eigentlichen Phänomen nicht so richtig auf die Spur kommt. Pflückt man das Buch wieder auseinander, bleiben Geschichten, die überhaupt nicht mein Stil waren und wissenschaftliche Aussagen, die ich dünn fand und überhaupt nicht neu oder überraschend. Die Technik der Kombination funktioniert für mich nicht. Das ist schade, denn die Gedankengänge sind sehr gut. Das Buch hätte mir im Stil von School of Life sehr gut gefallen.

Das entfesselte Jahrzehnt

von Jens Balzer

Ich habe die 70er als Kind erlebt, die 80er als Jugendlicher. Ich weiß wenig über die Zeit, habe sie aber als Erlebnis präsent. Ich habe durch über das Buch viel Neues erfahren und kann die Verbindungen und Gedankengänge, die Balzer knüpft, sehr gut nachvollziehen. Ich habe die gleiche Begeisterung für Pop springe genau so gerne gedanklich in der Gegend herum und versuche daraus Zusammenhänge zu erkennen. Das Buch hat bei mir offene Türen eingerannt und sein Wissen hat meine Neugier mehr als befriedigt. Ich fand das Buch großartig, was an mir liegt. Und natürlich an ihm.