„Die zentrale These dieses Buches lautet, dass es das weibliche und das männliche Gehirn nicht gibt, sondern jeder Mensch ein einzigartiges Mosaik aus ‚männlichen‘ und ‚weiblichen‘ Eigenschaften besitzt.“

Das Gehirn hat kein Geschlecht, Daphna Joel und Luba Vikhanski

Mit dem ersten Satz in den Anmerkungen zum Buch ist eigentlich schon alles gesagt. Man kann männliche und weibliche Unterschiede im Verhalten bei Menschen messen, aber in einer Person sind die Kategorien individuell gemischt. Man kann also zum Beispiel anhand eines Textes wahrscheinlich sagen, ob ihn ein Mann oder eine Frau geschrieben hat, indem man Wörter analysiert, aber nicht, ob diese Person einen Science-Fiction-Roman oder einen Liebesroman geschrieben hat.

Soweit die Tatsachen. Will man Voraussagen über das Verhalten von Menschen machen, kann man das über das Geschlecht tun, wird aber meistens komplett daneben liegen. Das ist zwar immer noch besser als beim Lotto (1), aber praktisch genau so unpraktisch bzw. unrealistisch.

Die daraus folgende Schluss ist natürlich, dass man in der Sicht auf Menschen und beim Umgang mit Menschen das Geschlecht schlicht außer Acht lassen soll. Von sozialen Rollen will ich mal gar nicht reden. Das macht das Buch sehr schön ab der zweiten Hälfte.

Ich habe das Buch extra noch mal als Hardcover gekauft, um es mir ins Regal zu stellen. Das Buch ist wirklich toll, weil es in sehr kurzer, präziser Form zeigt, wie sich „männlich“ und „weiblich“ im Gehirn und damit im Verhalten zeigt, nämlich individuell und in Mischform ausgeprägt. „Der Mann“ und „die Frau“ gehören ausschließlich in die Welt der Ideen und Vorstellungen. Ich will das auch gar nicht runterspielen, denn die Welt der Fantasien und Vorstellungen ist eine, in der ich mich gerne bewege, aber ich bin ja zugleich ein realistischer Mensch, der diese immer wieder auf den Prüfstand stellt.

(1) Ich habe es nachgemessen und die Statistik ausgewertet. Wenn man die Lottozahlen in zwei Gruppen teilt (was nicht ganz genau geht, da die Zahl ungerade ist) und sich die Häufigkeit der gezogenen Zahlen nimmt, sieht man, dass beide Gruppen insgesamt gleich viele Ziehungen hat.