Wollen haben

„Sarah will den Apfel gegessen haben.“

Sarah ist entweder fünf Jahre alt oder, hoffentlich, in psychischer Behandlung, denn Sarah hat den Apfel gar nicht gegessen, glaubt aber felsenfest daran.

Es gibt unterschiedliche Arten, sich von einer Aussage zu distanzieren, weil man an der Wahrheit der Aussage zweifelt oder es nicht nachprüfen kann.

„Sarah sagt, sie habe den Apfel gegessen.“

Na, dann wollen wir ihr mal glauben.

„Sarah behauptet, sie habe den Apfel gegessen.“

Der Frechdachs, isst nie seinen Apfel, warum sollte sie ihn heute gegessen haben.

„Sarah glaubt daran, den Apfel gegessen zu haben.“

Die arme Irre.

„Sarah will den Apfel gegessen haben.“

Stur ist die arme Irre auch noch.

Wenn man, wie im Fall auf dem Bild, nicht schreibt „Einige gaben an, aus diesem Grund ausgetreten zu sein“, was ja schon genug Distanz ausdrückt, oder „Einige seien deshalb ausgetreten“, was sogar noch Zweifel ausdrückt, sondern auch noch schreibt „Einige wollen deshalb ausgetreten sein“, dann sind sie nicht nur nicht deshalb ausgetreten, sondern behaupten es und glauben auch noch daran, als wüssten sie es nicht besser.

Wir können nicht wissen, was der andere will, und sie selbst haben es mit Sicherheit nicht so ausgedrückt.

Warum schreiben manche Journalisten nicht im Konjunktiv? Warum stellen sie stattdessen jemandem ein Gutachten über seinen Geisteszustand aus und formulieren so, als wüssten sie es besser und die Person gegenüber würde sich wie ein bockiges Kleinkind verhalten?

Berichte bestehen aus Tatsachen, Behauptungen und Aussagen, und wie man diese verständlich und nachvollziehbar formuliert, ist hinreichend geregelt.

Wenn ich mich richtig erinnere, hat Wolf Schneider in seinem Buch Deutsch für Profis im Jahr 1986 diese Formulierung beschrieben und zurecht angeprangert. Immerhin geht es hier um die Glaubwürdigkeit von Menschen und ihren Aussagen.

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