Herbst

Es wird Herbst, seit gestern ist es deutlich kälter und letzten Sonntag wurden die Uhren umgestellt. Das ist schön beim Aufwachen sonntags, weniger schön, wenn man hellwach abends im Bett liegt und am nächsten Morgen eine Stunde früher von selbst aufwacht.

Der Kürbis ist bereits geschnitzt. Kürbisse und Halloween läuten den Herbst ein. Ich konnte Kürbissuppen bis vor Kurzem nichts abgewinnen, aber jetzt finde ich sie ganz in Ordnung. Mit Würsten darin sogar lecker.

Unser Lieblingsrezept:

  • 1 Hokkaido-Kürbis, ca. 600-700 g
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Dose Kokosmilch
  • 250 ml Gemüsebrühe
  • 1 St. Ingwer, frisch, daumengroß
  • 150 ml Orangensaft
  • Salz, Pfeffer, Currypulver, Cayennepfeffer

Zwiebeln und Knoblauch in Öl andünsten, Kürbis rein, anbraten, Gemüsenrühe rein, kochen, Kokosmilch und Orangensaft rein, würzen, pürieren, fertig.

Die Hecke ist auch kurz geschnitten, nicht kurz genug für den Nachbarn, mit dem ich mit in die Haare bekommen habe. Ich werde unfreiwillig zum Ökoaktivisten, unfreiwillig, denn die Hecke war schon da und ich würde mich mich auch mit einem Holzzaun begnügen. Aber so freue ich mich über das Grün und irgendwie muss ich ja rechfertigen, dass sie manchmal zu groß wird und Blätter wirft. Natur halt.

Ich habe Meisenknödel gekauft und schlage mich auf die Seite der Ökologie anstelle der Sauberkeit mittels Beton. Unser Nachbar hat nämlich sämtliches Grün plattgemacht und sich einbetoniert. Geschmacksache könnte man sagen, aber er hat eine regelrechte Phobie vor allem Lebendigen. Ich hatte eine Diskussion mit ihm. Sich selbst betrachtet er wahrscheinlich als nichtnatürliche Krönung der Schöpfung. Es ist zum Augenrollen.

VSCO hat einen neuen Filter, den finde ich ziemlich schick.

Sensual World

Sensual World sind eine Punk Band aus Richmond, die sich nach dem Album von Kate Bush benannt haben. Viel mehr Info habe ich nicht gefunden und ist auch gar nicht nötig. Eine Punk-Band, die sich nach einem Kate Bush-Album benennt, rennt bei mir offene Türen ein.

Ihr Album Feeling Wild ist genau die Musik, nach der ich gesucht habe, laut, roh (Fender Telecaster!) und mit feinem Gespür für Melodien.

Ihre Musik gibt es bei Bandcamp.

System­sprenger

Wie ist es, wenn ein Kind in kein pädagogisches und therapeutisches Konzept passt? Wenn sein Verhalten in kein System passt? Wenn es traumatisiert ist und die Mutter für das Kind nicht da sein kann, weil sie überfordert ist und Angst vor seiner Unberechenbarkeit und Gewalt hat? Wenn es aus Pflegefamilien und Wohngruppen und anderen Einrichtungen rausfliegt?

Letztes Wochenende habe ich Systemsprenger gesehen. Ich wollte nicht diesen Film speziell sehen, sondern nur ins Kino. Ich hatte von dem Film gelesen und fand die Beschreibung interessant.

Der Film war viel besser als ich erwartet habe. Ein solches Thema mit durchweg großartigen Schauspielerinnen und Schauspielern auf diese Weise in einem Film umzusetzen, ist hervorragend gelungen.

Dieses Video erklärt das Verhältnis von Wirklichkeit und Film, denn es ist kein Dokumentarfilm, sondern absichtlich ein Kino-Film. So macht er, eine der Eigenschaften von Film und Medien generell, das Unerträgliche erträglich, oder zumindest verdaubar, so dass man sich mit einem Thema beschäftigen kann, das einen normalerweise an seine Grenzen bringt. Ich habe mich mehrfach wie ein Tintenfisch in meinen Sitz gekräuselt und konnte nicht hinsehen.

Der Film ist zutiefst liebevoll, handwerklich hervorragend gemacht, arbeitet mit einer gewissen Komik („Keine Sorge, das ist Sicherheitsglas“), was ja immer ein guter Weg ist, und er zeigt, was Menschen eben auch sind oder sein können.

Scans

Ich scanne gerade die Negative der letzten vierunddreißig Jahre. 1985 bekam ich meine erste Kamera geschenkt, eine Rollei 35, die habe ich heute noch und funktioniert noch genau so wie früher. Ein schönes, mechanisches Gerät. Danach kam eine Nikkormat, auch die habe ich noch, ich habe erst vor kurzem sogar eine zweite gekauft, mit der ersten habe ich die meisten meiner Fotos gemacht, in der Zeit zwischen achtzehn und Ende zwanzig.

Ich habe die Bilder seit Jahren nicht mehr gesehen, weil ich nur noch die Negative hatte. Meine ganze Jugend liegt gerade in Bildern vor mir beziehungsweise kommt in Bildern zu mir. Bei manchen muss ich schlucken, von vielen bin ich fasziniert, alle sind sehr intim und in ihrer Art wunderschön.

Ich scanne sie ohne Bearbeitung durch, die Software übernimmt Farbanpassungen, gute Fotos werden gut, schlechte werden schlecht. Generell ist es einfach so, dass gut belichtete Fotos ordentlich aussehen, Farbverschiebungen kommen durch schlechte Belichtung zustande. Die ganzen anderen Unterschiede, das Filmmaterial zum Beispiel, fallen weniger ins Gewicht. Bilder, die ich jetzt gemacht habe, werden ein bisschen besser, aber ich merke doch, dass ich auf solche Qualitätsmerkmale die letzten Jahre zu viel Gewicht gelegt habe. Am Ende zählt das, was drauf ist und Film ist generell gut, sei er noch so körnig oder farbverschoben. Es handelt sich um Privatbilder.

Hier nochmal auch für mich ein Link zur Entwicklung in Großlabors.

Mixtapes

Letztens unterhielt ich mich mit jemandem über Spotify. Ich erklärte die Unterschiede von Spotifys Playlists und Mixtapes und von Pandora, dessen Grundlage das Music Genome Project ist.

Er war beigeistert von Spotify und es fehlte ihm nichts. Mir fehlen Mixtapes und Playlists sind keine Mixtapes. Selbst, wenn es gute Mixtapes auf Spotify gäbe, würde man sie nicht finden. Mit viel Glück, und vor allem Mühe, findet man die eine oder andere Playlist, aber das alles ist noch kein Mixtape.

Ein Mixtape ist eine Zusammenstellung von Musik, in der jeder Song mit viel Gefühl und Fantasie in den nächsten übergeht. Es kann einer Reise durch Zeit und Stile gleichen oder ein Mixtape über ein Thema sein. Die maßgeblichen Begriffe dabei sind: Fantasie und Gefühl. Am Ende gibt man dem Mixtape einen Namen, der weniger mit der Musik zu tun haben muss als vielmehr eine Art Verweis ist. Man muss Offenheit und Spaß an Assoziationen mitbringen, wobei meine Mixtapes sich sicher am ehesten am Gefühl orientierten. Ich halte nichts von intellektueller Aufgeladenheit. Ein Mixtape ist für mich keine intellektuelle Schnitzeljagd, sondern eine Reise durch die Gefühlswelt, ähnlich einer guten Radiostation oder dem DJing.

Gute Mixtapes sind Gold wert und sehr persönlich.

Mein Gegenüber blickte mich als hätte ich ein Zyklopenauge und eine Glaskugel über den Kopf gestülpt und würde unverständliche Laute von mir geben.

Zeit, mal wieder ein gutes Mixtape zu machen.

Pandora (als ich es noch hören durfte) funktionierte für mich sehr gut, ebenso (als es das noch gab) Muxtape. Mit Spotify Playlists hat das nichts zu tun.

Das hier sind Mixtapes.

Vielleicht gibt es fantasievolle, persönliche Zusammenstellungen mit Gefühl auch auf Spotify, aber wo findet man sie? Die Software hat dafür gar keine Funktion.

Alternativ kann man sich auch mal wieder eine John-Peel-Session anhören.

Rückblick September

Der Monat bestand hauptsächlich aus Arbeit, Wohnung neu einrichten und Aufräumen. Ich habe Wände nachgestrichen und ausgebessert, einen Tisch gestrichen, Lampen aufgehängt und vor allem Müll weggebracht, Sperrmüll, Elektro, Verpackungsmaterial und Hausmüll. Ich räume jetzt jede Ecke, jeden Karton und jedes Regal auf. Ich repariere und ersetze. Nach fünfundzwanzig Jahren habe ich meinen Rechner in ein ordentliches, neues Gehäuse gebaut. Der alte Rechner stand offen, damit er genug Kühlung bekommt, die Festplatte baumelte raus und lag daneben auf dem Boden.

Die Seiten hatte ich aufgebohrt, damit mehr Luft reinkommt, was aber nichts brachte. Beim Umbau habe ich ihm eine neue Festplatte verpasst und vor allem alles entstaubt. Die Neuinstallation von Windows hat mich einen kompletten Abend bis in die Nacht hinein gekostet. Ich hatte eine alte Version installiert, die Updates haben alleine Stunden gebraucht. Das war ein Fehler. Ich vergesse immer, wie lange Updates brauchen.

Auch die Negative und Fotos der letzten fünfunddreißig Jahre, verteilt in etlichen Kartons und Ordnern, müssen digitalisiert und ordentlich verstaut werden. Ich werde jetzt alle Negative einscannen. Das wird Monate dauern. Mein Scanner, ein Epson 4870, ist nicht mehr der Neueste und scannt nicht zuverlässig. Vielleicht ist es ein Hitzeproblem, dass ich mit einem Ventilator lösen kann.

Ich habe das Tanzen reduziert. Ich tanze zwei Mal die Woche, nicht mehr, und vor allem kein Ballett mehr. Ich habe die letzten Monate und sogar Jahre doch ein bisschen viel mich ausschließlich mit Tanz beschäftigt. Jetzt nach fünf Jahren Ausbildung bin ich an einem Punkt, mit dem ich recht zufrieden bin, etwas vollständig verinnerlicht habe und mich nun auch wieder auch anderen Sachen widmen kann.

Ich habe mir eine Tanzgeneralprobe angesehen und die Solostücke im Rahmen Die Solisten. Gabriela Ceceña hat eine Choreografie aufgeführt, die ihre Größe in der Präzision hatte. Ich war sehr beeindruckt. Daniele Ninarello hatte einen ganz eigenen Stil mit einem interessanten Ansatz, den Raum als Ganzes einzubinden. Tanz als Sprache im Raum. Marta Alstadsaeter und Kim-Jomi Fischer haben ein beeindruckendes akrobatisches Stück gezeigt.

Bei Daniele Ninarello habe ich einen Workshop besucht.

Ich höre wieder Gitarrenmusik und Texte an, vor allem deutsche. Siehe auch hier.

Ich habe einen Freund in der Nähe von Stuttgart besucht, mich mit einem Freund getroffen, war im Kino und auf drei Geburtstagen.