GAGA

Am Wochenende habe ich GAGA-Unterricht genommen. GAGA wurde von Ohad Naharin für das Batsheva Dance Theater entwickelt. Manche Choreografen entwickeln eine spezielle Unterrichtsform, die die Tänzer auf die Art des Tanzes vorbereiten, die die Choreografen im Sinn haben. Chereografieren heißt nicht nur, bestehende Bewegungs-Muster aneinanderzureihen, sondern auch eigene Ideen zu entwickeln.

Der GAGA-Unterricht geht eine Stunde, während der man sich ständig bewegt. Beobachten oder still stehen bleiben ist nicht erlaubt, es gibt auch keine Spiegel. Im GAGA wird nicht beurteilt oder analysiert. Die Musik ist unterschiedlich, jede Art von Musik ist prinzipell geeignet, ebenso kann jeder an einer GAGA-Stunde teilnehmen.

Im GAGA arbeitet man mit einem besonderen Vokabular und Bildern. Die fantasievolle, bewegte Bildsprache ist es, die mir ein Mittel an die Hand gegeben hat, mit dem ich sehr gut weiterarbeiten kann. Man arbeitet man mit Spannung und Entspannung, gegensätzlichen Assoziationspaaren, Humor. Andrea Martini hat ein sehr gutes Gespür und eine sehr gute fantasievolle, ausdrucksstarke Bild-Sprache. Die Aufteilung des Körpers in Elektrizität (Nerven), Fleisch (Muskeln) und Knochen geben einerseits wieder, was der Körper physikalisch ist und zugleich, wie man ihn erlebt und welche Möglichkeiten man damit hat. Der Begriff Elektrizität ermögliche viele Formen von Bewegung, ebenso steckt im Wort Fleisch mehr verfügbare Masse als in dem Wort Muskel, mit dem immer eine gewisse Anspannung assoziiert. Es geht nicht um biologische Korrektheit, sondern darum die Fantasie anzuregen, damit man einen Gefühl für den Körper bekommt (sensation of the body). Denn das ist das Ziel von GAGA und ich kenne keine Übungsform, die so ernsthaft und intensiv damit arbeitet.

Die Idee, Bilder und Assoziationen entsprechend dem Körpergefühl anzupassen und darüber eine eigene Sprache zu entwickeln, ist eine der besten Ideen, die man im zeitgenössichen Tanz haben kann. Ballett hat auch seine eigene ganz besondere Sprache und für die unterschiedlichen Bewegungen Wortbilder kreiert. Das ist eine der Aufgaben von Tanz-Lehrern und -Unterricht.

Zwei Stunden haben mir einen kleinen Einblick gegeben, aber auch genug Vokabular und Bilder, um mir selbst eine kurze Einheit auszudenken. Diese kann ich jeden Tag genau so üben, wie ich sonst meine Übungen zuhause gestalte.

Es gibt mittlerweile zwei DVDs zu den Werken von Ohad Naharin, Mr. GAGA und The Art Of Ohad Naharin. Zwei seiner Schüler sind selbst bekannte Choreographen, von denen ich letztes Jahr Stücke gesehen habe: Sharon Eyal und Hofesh Schechter.

Hier ist noch eine gute Beschreibung einer GAGA-Lehrerin.

Schwarze Löcher

Das Bild des Schwarzen Lochs ging um die Welt und mit ihm die Artikel und Videos, die erklärten, was Schwarze Löcher sind und wie man ein Bild von ihnen macht. Ich jedoch hing noch an der Frage, wie es überhaupt solch ein Objekt wie ein Schwarzes Loch geben kann. Ein Loch existiert für mich auf einer 2-dimensionalen Fläche, ein Loch in einem dreidimensionalen Objekt kann ich mir nicht vorstellen.

Ein Schwarzes Loch hat einen zweidimensionalen Ereignishorizont in einem dreidimensionalem Universum. Es ist also kein Loch, sondern kugelförmig. Was in dieser Kugel ist, kann man nur mathematisch und physikalisch beschreiben, aber man kann es nicht sehen und sich auch nicht vorstellen. Es ist vollkommen dunkel, und man kann nur vermuten, wie sich Objekte darin verhalten. Mir die Form eines Schwarzen Lochs vorzustellen, bringt mich an die Grenze meiner Vorstellungskraft, weil es keine geeignete Analogie gibt. Ohne Analogie kann ich nicht denken. Sich ein Schwarzes Loch vorzustellen ist ein Versuch, einigermaßen passende, aber unzusammenhängende Assoziationen zu verknüpfen. Größenverhältnisse und Vorstellungen sind gigantisch verzerrt.

Man geht davon aus, dass im Innern eines Schwarzen Lochs die Gravitation so stark ist, dass die Raumzeit unendlich ist. Das ist ein Problem, denn eine Unendlichkeit im Innern einer Kugel ist nicht vorstellbar oder mit Worten anders beschreibbar. In der Darstellung sieht man trichterförmige Gebilde, aber das zeigt ja nur einen Teil des Phänomens, nicht das Objekt an sich.

„Aber mit den Unendlichkeiten ist das so eine Sache. In der Theorie ist das schön und gut; in der Realität eher weniger.“ schreibt Florian Freistätter.

Eine Kugel mit einem unendlichen Innern. Wäre ich ein Zen-Lehrer, würde ich meinen Schülern die Aufgabe geben, sich das vorzustellen. Sie wären ihr Leben lang damit beschäftigt.

Blogs

Meine Blogs fangen immer mit einem Ein­trag über Blogs an. Mit jedem Neu­start erkläre ich, was ich tue und warum ich es tue. Blog­artikel gehören zu meinen meist­gelesen Texten. Ich schreibe täglich und experi­mentiere mit den gestalterischen Möglichkeiten. Jeder meiner Blogs ist nur eine Moment­aufnahme. Allen gemeinsam ist ihre Bedeu­tung für mich. Sie sind ein Reflexions­medium, über das ich Vorstellungen, Meinungen, Wissen und Gedanken erkenne. 

Blogs und Einträge sind wie ein Zoo, bei dem jemand die Türen zu den Gehegen geöffnet hat. Gerne hätte ich manchmal ein kusche­liges, nettes, bestän­diges Haus­tier, aber dann wieder juckt mich der Reiz der Exotik und ich möchte mir ein Chamäleon halten.

Es gibt in meinen Blogs so etwas wie einen roten Faden, der von meiner Befind­lichkeit bis hin zu verschiedenen Formen der Kunst, Kultur, Psycho­logie und in Ansätzen Philo­sophie führt. Vom Persön­lichen zum Allgemeinen, vom Allgemeinen zum Persön­lichen. Das Banale ein kleines bisschen tief­gründiger, das Persön­liche in einen etwas größeren Zusammen­hang. Ein Text muss kein großer Wurf sein, er ist das, was man normaler­weise mit Freunden teilt, in einer allgemeine­ren Form.

Vielleicht sind meine Blogs gar nicht geeignet, durch­gelesen zu werden. Vielleicht sind sie nur eine un­bestän­dige Anordnung von Einzel­beiträgen voll­kommen unter­schied­licher Art. Nach etwa zwei Monaten und zwanzig Einträgen wird mir die Sache langweilig, Kategorien stehen, Elemente auch. Blogsoftware langweilt mich irgendwann, oder vielleicht gieße ich meine Ideen auch zu früh in ein Theme. Ich versuche mal, die Sache offen zu halten, indem ich statische Seiten baue. Eine Homepage mit Webseiten.